Die Ausplünderung der Provinzen

Hatten die Römer ein Gebiet neu erobert, erklärte es der römische Staat zur Provinz. Die Provinz kam unter römische Verwaltung. In ihr galten die römischen Gesetze, oberster Beamter war der Statthalter.

Die Bewohner der Provinzen, die Provinzialen, mussten hohe Abgaben an Rom entrichtet: entweder Geld oder wertvolle Produkte des Landes. Die Höhe der Abgaben setzte der römische Staat für die einzelnen Provinzen fest. War ein Land reich, besaß es besondere Schätze, so musste es hohe Abgaben zahlen. Hatten sich die Bewohner des Gebietes gegen die römischen Eroberer tapfer gewehrt, so wurden sie ebenfalls durch hohe Forderungen bestraft. Die Provinz Sizilien zum Beispiel hatte den zehnten Teil der Ernte und außerdem für das Weideland eine festgelegte Geldsumme abzugeben. Diese Einnahmen aus den Provinzen bildete die Hauptquelle des Reichtums der Stadt Rom.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

In einer römischen Provinz

Im Kampf gegen die römischen Eroberer hatte ein Makedonier über den römischen Staat dieses Urteil gefällt:

„Die Römer kennen von alters her nur einen einzigen Grund, um auf der ganzen Welt mit Stämmen, Völkern und Königen Krieg zu führen: die tiefe Gier nach Herrschaft und Reichtum…Von Anfang an ist alles, was sie besitzen, durch Raub zusammengebracht…Sie richteten ihre Waffen gegen jeden, am heftigsten aber gegen die, deren Überwindung ihnen die größte Beute verschafft.“

Die Makedonier wussten genau, warum die Römer um das reiche, ehemals griechische Gebiet kämpften.

Um 50. V.u. Z. war Makedonien ungefähr 100 Jahre römische Provinz. Ein neuer Statthalter kam. Kein Grund zur Freude für die Einwohner Makedoniens! Dem Statthalter voraus eilten seine Boten. Sie überbrachten den Provinzstädten Befehle des neuen Herrn. In dieser Stadt wollte der Statthalter einen Tag bleiben, in jener mehrere. Wie wollte der Herr wohnen, was sollte man ihm zum Mahle vorsetzen? Das waren nur kleine Sorgen. Die Bewohner jeder Stadt wussten, mit dem Statthalter kam eine ganze Schar von Verwandten und Freunden. Sie hatten, wie der Statthalter, selbst nur ein Ziel, sie wollten in dem Jahr der Statthalterschaft reich werden. Jede kostbare Statue, jedes reich verzierte Gefäß, jedes Stück Gold oder Silber stach ihnen ins Auge. Oft genug waren mit dem weiterziehenden Statthalter zahlreiche Kostbarkeiten verschwunden. Sollte man in Rom gegen ihn klagen? Die Provinzialen wussten: Reiche römische Herrn, die selbst Statthalter waren oder es werden wollten, werden taube Ohren haben, wen Provinziale sich beschweren. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“ Ähnliche Zustände kennen wir auch aus der heutigen Zeit. Gegen einflussreiche Personen haben „kleine“ Leute in der Regel keine Chance.

Sollte man sich mit eigener Kraft gegen die Räuber wehren? Mit dem Statthalter zog seine Armee. Sie stand bereit, jeden Augenblick zuzuschlagen, wenn sich Empörung zeigte.

Das Schema zeigt, was die einzelnen Provinzen nach Rom lieferten
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Außer dem Statthalter zogen römische Steuerpächter durch die Provinz. Die Makedonier hatten ihr Spiel längst durchschaut: Steuerpächter wurde ein reicher Römer, der dem römischen Staat für ein Jahr im voraus hohe Steuern zahlte, die die Provinz aufbringen musste. Dafür erhielt er vom Staat die Erlaubnis, in der Provinz selbst die Steuern einzutreiben. Keiner fragte in Rom danach, wieviel Steuern ein Steuerpächter tatsächlich in seinem Gebiet eintrieb. Er forderte viel, viel mehr, als er ausgelegt hatte. Er raubte ungestraft. Der Steuerpächter und der Statthalter hatten das gleiche Ziel. Beide stützten sich auf die Macht des römischen Heeres.

Im Herbst erschraken die Einwohner der makedonischen Städte besonders, sobald ein sich ein Bote des Statthalters zeigte. Brachte er die Nachricht, dass der Statthalter in ihrer Stadt überwintern wolle? In allen Provinzstädten, auch in den makedonischen, wusste man aus Erfahrung: Einen Winter lang römische Truppen beherbergen ist ebenso schlimm wie vom Feind erstürmt zu werden.“ Großzügig würde der Statthalter anbieten: „Ihr könnt euch von der Überwinterung freikaufen!“ Die geforderte Geldsumme wäre aber ungeheuer groß. Zahlen oder plündern lassen? Für viele Städte und ganze Provinzen gab es um 50 v.u.Z. die Entscheidung nicht mehr. Da sie nun schon über viele Jahrzehnte ausgeraubt wurden, konnten sie nicht mehr zahlen.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982 

Noch eine Anmerkung. Die Gebiete, wo einstmals die Römer herrschten, so z.B. in Westdeutschland, wird in der heutigen Geschichtsschreibung nichts von Unterdrückung gesagt. Es heißt, dass die Römer Kultur brachten, so z.B. den Weinbau. Straßennamen (z.B. Römerstraße, Am Römerkastell u.ä.)  zeugen von der positiven Erinnerung an die Römer im Verständnis der heutigen Herrschenden. Außerdem gibt es Museen welche die Römerzeit mit Schwerpunkt auf die Herrschenden legen. Doch ist es interessant sich über die kulturellen Leistungen im römischen Reich ein Bild zu machen.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Handwerk und Handel (altes Rom)

Im Handwerk Roms bestanden meistens Kleinbetriebe. Gewöhnlich arbeiteten mehrere Handwerker unter der Aufsicht ihres Herrn in einer Werkstatt. Natürlich wurden alle groben Arbeiten von Sklaven verrichtet. Zugleich waren einige Sklaven erfahrene Facharbeiter.

In den Werkstätten produzierte man hauptsächlich für den Bedarf der Landwirtschaft. Hier kam es auf Arbeitsgräte aus Eisen an. Für die unterschiedlichen Bodenarbeiten und Kulturen mussten sie immer wieder verbessert und spezialisiert werden. Das brachte neue Anforderungen an das Handwerk.

Wie in Athen war auch in Rom das Schmiedehandwerk stark spezialisiert. Seine Produkte reichten von Geräten für die Landwirtschaft und das Bauhandwerk bis zu feinsten Bronze- und Silbergefäßen. Verzierte römische Tongefäße, Bekleidung und wertvolle Kupfer- und Bronzegefäße wurden über Italien hinaus berühmt. Die Grundlage der Handelsgeschäfte in Rom bildeten die Silbermünzen. Alle Waren wurden gegen Geld gehandelt. Damit hatte sich die Warenwirtschaft endgültig durchgesetzt.

Weil sich Rom zu einer Weltmacht entwickelte, nahm der Außenhandel schnell zu. In erster Linie wurden Sklaven, Luxuswaren, Lebensmittel und Metalle eingeführt. Die Handelsverbindungen reichten bis Indien, Britannien und auch zur Südküste der Ostsee. Die Kosten für eines der großen Handelsunternehmen konnte kaum ein reicher Römer allein aufbringen. Es entstanden Handelsvereinigungen. An einem solchen Unternehmen beteiligten sich Kaufleute oder auch Besitzer großer Güter mit einem bestimmten Geldbetrag. Jede geglückte Handelsreise brachte großen Gewinn. Dieser wurde an die Beteiligten ausgezahlt.

Andere Geldgeschäfte trieben die Geldwechsler. Sie liehen Geld an in Not geratene Bauern, Handwerker und verschuldete Städte. Ihr Geschäft nannte man Wucher, denn sie verlangten Zinsen bis zur Hälfte des geliehenen Betrages. Doch die rege Handelstätigkeit konnte eines nicht verdecken: Nach Rom wurde mehr eingeführt, als die Römer ausführten. Diesen Fehlbetrag glich man durch die Ausplünderung der Provinzen aus.

Das klingt alles bekannt.  Wir finden einiges in diesem Kapitel Beschriebene als Element in der heutigen kapitalistischen Welt wieder.

Das Bild zeigt eine Feinschlosserei. Deutlich sind die wichtigsten Produktionsinstrumente römischer Schmiede sichtbar: der von einem Gehilfen bediente Blasebalg, Zange, Schmiedehammer und Amboss
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Landwirtschaft Roms

Der Boden Italiens war fruchtbar, das Klima mild. So spielte in der Wirtschaft der Römer im Unterschied zu den Griechen die Landwirtschaft die größte Rolle. Hier hatten früher freie Bauern den Boden bearbeitet. In den großen Eroberungskriegen mussten die Bauern aber jahrelang als Soldaten in fremden Gebieten kämpfen. Ihre Familien verschuldeten sich bei Großgrundbesitzern. Wenn diese den Schuldbetrag zurück verlangten, blieb oft nur das Ackerland zur Bezahlung der Schulden.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Ein großer Teil der von ihrem Land vertriebenen Bauern zog in die Hauptstadt Rom. Dort fristeten die meisten ihr Leben mit Gelegenheitsarbeiten. Es waren bald so viele landlose Bauern in Rom, dass sie eine Gefahr für die reichen Römer wurden. Um sie im Kampf vom Kampf gegen den Reichtum der angesehensten Sklavenhalter abzuhalten, verteilten diese Brotgetreide, manchmal auch Geld. Das besserte etwas die Lage der ehemaligen Bauern.

Auf den Gütern der Großgrundbesitzer, den Latifundien, wurden fast ausschließlich  Sklaven eingesetzt. Natürlich hing der Gewinn, der der Latifundienbesitzer herauswirtschaften konnte, vor allem davon ab, wie stark er seine  Sklaven ausbeutete. Zugleich aber musste er nach anderen Wegen suchen, um seinen Ernteertrag zu erhöhen. Deshalb wurden neue und bessere Produktionsinstrumente eingesetzt. Der Pflug mit eiserner Schar, den die Griechen schon um 450 v.u.Z. gekannt hatten, setzte sich endgültig durch. Zu den neuen Produktionsinstrumenten gehörten Egge, Sense und Räderpflug. Für das Mahlen von Korn kamen immer mehr Wassermühlen in Gebrauch. Außerdem entwickelten die Römer bereits besondere Getreidemühlen und Mähmaschinen. Schließlich gab es verbesserte Ölpressen.

Die Getreidemühlen bestanden aus einem feststehenden Unterstein und dem darübergestülpten Oberstein. Dieser drehte sich, in ihn wurde oben das Getreide hineingeschüttet. Es fiel zwischen die beiden Steine und wurde zermahlen. Außer von Pferden, denen man die Augen verdeckte, konnten solche Mühlen von Maultieren, aber auch von Sklaven angetrieben werden
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Römische landwirtschaftliche Geräte aus Eisen in dem Zustand, in dem sie gefunden wurden
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Die Bedeutung der Landwirtschaft zeigte sich auch darin, dass sich zahlreiche Schriftsteller(heute würde man sagen Berater oder Experten) mit Fragen des Ackerbaus und der Viehzucht befassten. Sie gaben Ratschläge, wie eine Wirtschaft geleitet werden müsste. Besonders schrieben sei in ihren Werken über den Anbau von Wein, Oliven und Getreide. Dabei kamen sie zu neuen Erkenntnissen. So teilten sie den Boden in verschiedenen Klassen ein, bestimmten für jede Klasse die geeignetsten Anbauprodukte und Bearbeitungsformen.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Es gab zahlreiche römische Güter, auf denen man fast nur Gemüse anbaute, auf anderen stand die Geflügelzucht im Mittelpunkt. Meistens lagen solche Güter in der Nähe größerer Städte, die diese Produkte abnahmen.

Wein, Öl und Wolle wurden in so großen Mengen erzeugt, dass sie zu den wichtigsten Ausfuhrprodukten Roms zählten.

Die Landwirtschaft war der Hauptwirtschaftszweig im Römischen Reich. Durch den Einsatz von neuen Produktionsinstrumenten und neuen Bearbeitungsmethoden auf den Latifundien stieg die Arbeitsproduktivität in diesem wichtigen Wirtschaftszweig.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5.Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Wirtschaft Roms

Triumphzüge

Dieses Bild zeigt die Straßen der Stadt Rom um 50 v.u.Z. Das römische Heer kam siegreich von einem Eroberungszug zurück. Der erfolgreiche Heerführer zog im Triumph in Rom ein.

Triumphzug
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Um 150 v.u.Z. feierte der Sklavenhalterstaat Rom auf diese Weise auch den endgültigen Sieg über die griechischen Gebiete, selbst über das reiche Athen.

Im Triumphzug wurde die Kriegsbeute mitgeführt. Die wichtigste Beute waren dabei die Gefangenen.

Manchmal dauerten die Siegeszüge zwei, sogar drei Tage. Soviel Zeit verging, bis die zahlreichen Gefangenen, kostbaren Beutestücke und Nachbildungen der eroberten Gebiete und erbeuteten Schiffe vorgeführt waren.

Die Stärkung der römischen Wirtschaft durch die Eroberungszüge

Die Stadt Rom soll 753 v.u.Z. gegründet worden sein. Sie liegt in Mittelitalien am Fluss Tiber. Das die Stadt umgebende Gebiet heißt Latinum. Während in Athen die Sklavenhalterdemokratie auf der Höhe ihrer Macht stand, war Rom noch ein wenig bedeutender Stadtstaat. Im Laufe von 75Jahren unterwarfen die Römer jedoch die ganze Halbinsel Italien. Unter ihre Herrschaft gerieten Gebiete mit fruchtbaren Böden, Stadtstaaten mit einem hochentwickelten Handwerk und auch die Griechenstädte im südlichen Italien.

Die nächsten Ziele der römischen Eroberer lagen außerhalb Italiens: die damals sehr fruchtbare Insel Sizilien, das silberreiche Spanien und Nordafrika, wo Gold gefunden wurde. An der nordafrikanischen Küste bestand zur gleichen Zeit die reiche und mächtige Handelsstadt Karthago. Die Karthager, von den Römern Punier genannt, fürchteten einen weiteren Machtzuwachs Roms. So kam es im Jahre 264 v.u.Z. zum Kampf zwischen beiden Staaten. In drei Kriegen konnten die Römer die Karthager niederringen. Sie gingen als Punische Kriege in die römische Geschichte ein. In ihrem Ergebnis wurden Sizilien, Spanien und Gebiete Nordafrikas römischer Besitz. Die Römer zerstörten die Stadt Karthago und verkauften die Einwohner in die Sklaverei. In mehreren Feldzügen eroberten römische Heere Griechenland, Kleinasien und Syrien. Um 50 v.u.Z. erstreckte sich die römische Herrschaft über den gesamten Mittelmeerraum.

Von den unterworfenen Gebieten aus erfolgten weitere Eroberungszüge. Eine große Anzahl von Soldaten stand ständig unter Waffen. Neue Kriegsmaschinen wurden entwickelt. Große Massen Gefangener und neue fruchtbare Gebiete kamen unter römische Herrschaft. So eroberte das römische Heer unter dem Feldherrn Caesar Gallien(Teile Frankreichs).

Caesar. Porträt aus dem 1. Jahrhundert v.u.Z.
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Caesar zog mit seinen Truppen auch über den Rhein nach Germanien(spätere deutsche Gebiete) und nach Britannien(England). Aus diesen beiden Gebieten musste er sich jedoch wieder zurückziehen.

Die Ausdehnung des römischen Reiches bis zum 2. Jahrhundert
entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte gelang es aber anderen römischen Heeren, Britannien und weitere Gebiete zu unterwerfen.

Zu Beginn des 2. Jahrhunderts erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Es wurde durch Ständige Eroberungskriege zu einer Weltmacht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Volksversammlung in Athen

Der Aufbau des athenischen Stadtstaates im 5. Jahrhundert v.u.Z.
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Die Bürger Athens waren auf dem Wege zur Volksversammlung. Würdevoll schritten reiche Kaufherren, Besitzer von Werkstätten, Großgrundbesitzer dahin. Selten grüßten sie Vorübereilende in schlichter Kleidung. Heute waren viele Handwerker, Händler, auch Tagelöhner unterwegs zum felsigen Hügel im Westen der Stadt. Seit vier Tagen konnte jeder das Programm der Volksversammlung erfahren, das Tafeln auf dem Markt verkündeten. Ein Punkt bewegte die Gemüter der Athener Bürger besonders.

Der Versammlungsort war von roten Seilen umschlossen. An den Eingängen kontrollierten Beamte, dass nur freie Bürger den abgesteckten Raum betreten konnten. Kein Sklave oder Fremder hatte Zutritt.

Die Versammlung begann mit Gebeten und Opfern. Der Opferrauch stieg gerade zum Himmel, das Opfer war also günstig verlaufen.

Jetzt stieg ein Mann auf die Rednerbühne und setzte sich den Myrtenkranz auf den Kopf. Ihn kannten alle Bürger, es war Perikles. Ihm verdankten sie einen Friedensvertrag mit Sparta und die große Stärkung der Athener Flotte. Er hatte auch die Vorherrschaft Athens über viele griechische Staaten erreicht. Diese zahlten Tribut für das Athener Versprechen, die zu schützen. Heute sprach Perikles nicht über einen Kriegsplan oder die Lage der Wirtschaft. Mit klaren, kühnen Worten zeichnete er ein Bild des Burgberges. Jetzt lag dort viel in Trümmern, in 20,30 Jahren sollte er Zeugnis des Reichtums und der Kraft Athens sein. Perikles sprach über seine Pläne für eine neue, herrliche Anlage der Akropolis.

Woher sollten die Mittel für den Bau kommen? Wird es eine Steuer geben, die wir zahlen müssen? Die Fragen kreisten in den Köpfen der Versammlungsbesucher. Aber auch darauf gab Perikles eine Antwort. „Die Bundesgenossen“, so nannte er die Staaten, die Athen Tribut zahlten, „haben ja kein Pferd, kein Schiff, keinen Mann gestellt, sondern nur Geld beigesteuert, und das gehört nicht denen, die es geben, sondern denen, die es bekommen, wenn sie nur leisten, wofür es ihnen gegeben. Wenn aber der Stadt Athen an Kriegsbedarf nichts mehr fehlt, dann soll man den Überfluss verwenden für Unternehmungen, die für die Zukunft unsterblichen Ruhm versprechen.“

„Der Plan wird als unseren Besitz nicht schmälern“, stellten Kaufleute und Werkstattbesitzer zufrieden fest. „man wird meinen Marmor brauchen“, grübelte der Besitzer von Marmorbrüchen auf der Insel Paros, ich werde mir noch Sklaven mieten. Ich muss dafür sorgen, dass sie schneller arbeiten, denn dann werde ich schnell Marmor liefern können und gut verdienen.“

Kaufleute dachten an Edelhölzer, Gold, Elfenbein und Edelsteine, die ihre Schiffe aus fernen Ländern heranschaffen konnten. Steinmetzen, Zimmerleute und Schmiede sahen sich im Geiste schon mit ihren zwei oder drei Sklaven für die Burgbauten arbeiten. „Das sind Aufträge, die uns über Jahre hinaus beschäftigen. Vielleicht kann ich mir bald noch Sklaven dazukaufen. Das wird ein einträgliches Geschäft.“ So oder ähnlich dachten viele Teilnehmer an der Volksversammlung.

Als über den Antrag des Perikles abgestimmt wurde, hoben die meisten Bürger ihre Hand. Sie waren einverstanden damit, dass die Akropolis den Ruhm und den Reichtum der Stadt weithin sichtbar machen würde.

Weitere Redner traten auf die Rednerbühne. Sie berichteten über durchgeführte Maßnahmen oder unterbreiten Pläne. Jeder aus dem Kreis der Versammelten konnte, wenn ein Redner geendet hatte, an ihn Fragen stellen oder seine eigene Meinung vortragen.

Nach Stunden war alles besprochen. Der Vorsitzende gab dem Herold ein Zeichen. Laut verkündete der das Ende der Volksversammlung. In neun Tagen würde die nächste Volksversammlung stattfinden.

Jetzt glitt der Blick vieler zur Akropolis hinüber. Die Gedanken waren noch mit dem Plan des Perikles beschäftigt.

Das Bild zeigt die Volksversammlung während einer Abstimmung, die in diesem Falle durch Heben der Hand erfolgte. Im Vordergrund links steht eine Gruppe von Großgrundbesitzern; sie hat den Auftrag der von der Mehrheit des Demos unterstützt wird, nicht gebilligt
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Irgendwie kommt uns das bekannt vor. Darum wird uns erzählt, dass das alte Griechenland die Wiege der Demokratie sei.  Geschäftsleute wollen ihre Interessen durchsetzen, in der Politik sind in der Regel Leute vom Mittelstand an aufwärts vertreten. „Kleine Leute“, wie z.B. Arbeiter nur in Ausnahmefällen, denn sie haben in der Regel nicht die Zeit und die Energie für das politische Geschäft, denn sie sind ja nicht gleich Berufspolitiker. Eine Kandidatur für das Parlament muss neben dem Beruf erfolgen. Stadtratsarbeit ist ohnehin ehrenamtlich. Heute agieren in den Parlamenten Lobbyisten. So werden die Interessen der herrschenden Klassen durchgesetzt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Originaltext aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Rolle der Sklaven in Athen

Athen hatte sich zu einem der mächtigsten Staaten im Mittelmeerraum entwickelt. Der Stand der Produktion war höher als in allen anderen Staaten. Athener Schiffe beherrschten das östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer. Die Stadt selbst prangte in ihrem Reichtum an schönen Gebäuden und Plastiken. Welche Ursachen hatte dieser Aufschwung? Wer schuf diesen Reichtum? Der Reichtum Griechenlands wurde von den Bauern und Handwerkern, vor allem aber von den Sklaven geschaffen.

Die Sklaven arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen in den Erzbergwerken, transportierten das Erz mit Lasttieren nach Athen und verrichteten in den Werkstätten die schwersten Arbeiten. Sie stellten einen Teil der Rudermannschaften der Athener Schiffe und die Lastträger in Piräus. In der Landwirtschaft wurden sie zur Zeit der Wein und Olivenernte auf den großen Ländereien eingesetzt. Sklaven arbeiteten auch in den Häusern reicher Bürger, im Staatsdienst, in den Tempeln und beim Bau neuer Tempel.

Sklavenarbeit im Bergwerk
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Je mehr die handwerkliche Produktion wuchs und der Handel sich ausdehnte, desto mehr Sklaven wurden gebraucht. Um 450 v.u. Z. gab es in Athen fast ebenso viele Sklaven, wie Freie, etwa 100 000 Freie und 100 000 Sklaven. Ohne die Sklavenarbeit war die hohe Entwicklung von Handwerk, Handel und Bergbau in Griechenland undenkbar. Die Sklaven waren die Hauptproduzenten. Auch berühmten Bildhauern und Wissenschaftlern war es nur möglich, ihre Leistungen zu vollbringen, weil zahlreiche Sklaven im Handwerk und im Handel ausgebeutet wurden. Zum einen sicherte die Sklavenarbeit ihren Lebensunterhalt mit, zum anderen erbrachte sie das Material für die kostbaren Standbilder. Sklaven brachen den Marmor auf der Insel Paros. Sie transportierten ihn nach Athen. Gold und Elfenbein konnten die Athener einführen, wenn sie wertvolle Handwerkserzeugnisse ausführten. Diese wiederum wurden zum großen Teil von Sklaven produziert.

Um 420 v.u. Z. entstand ein weiterer kostbarer Tempel auf der Athener Akropolis. Einige Berechnungen über den Bau sich erhalten geblieben. Darunter befindet sich auch eine Aufstellung darüber, wer am Bau mitgearbeitet hatte. Die Geschichtsforscher konnten feststellen, dass von 107 an den Bauarbeiten Beteiligten nur 14 freie Athener Bürger waren. Die anderen gehörten zur Klasse der Sklaven.

Die große Anzahl von Sklaven verschafften sich die Athener vor allem durch Kauf, aber auch durch Raub- und Kriegszüge. So ergriffen die Athener bei einem Raubzug in Kleinasien 20 000 Menschen und verkauften sie in die Sklaverei. Auch die Seeräuberei brachte viele Sklaven ein.

In Athen gab es den größten Sklavenmarkt Griechenlands. Sklavenhändler brachten Männer, Frauen, Kinder und manchmal ganze Familien hierher und boten sie zum Verkauf an. Gesundheit, Kraft, berufliche Eignung und Alter bestimmten die Höhe des Kaufpreises. Käufer prüften die Menschen von allen Seiten. Sie feilschen, als handelte es sich um Sachen.

Die meisten Handwerker beschäftigten in ihren Werkstätten drei bis fünf Sklaven. Einige reiche Athener besaßen mehrere hundert Sklaven. Sie ließen sie in ihren großen Werkstätten arbeiten oder vermieteten sich an Besitzer von Bergwerken und Steinbrüchen.

Über das Vermieten von Sklaven
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Am schwersten war die Lage der Sklaven in den Bergwerken und Steinbrüchen. Tausende arbeiteten in den Silbergruben von Laurion. Über hundert Meter unter der Erde brachen sie enge Gänge in das Gestein. Ihre Werkzeuge waren eiserne Brechstangen und schwere Hämmer. Mit ihnen mussten sie gebückt oder gar halb liegend hantieren. Halbwüchsige Sklaven zogen mit dem kostbaren Silbererz gefüllte schwere Körbe durch die stickigen Gänge bis an den Hauptschacht. Mit einem Flaschenzug wurde das Erz ans Tageslicht gebracht. Über allem wachten die Aufseher. Sie bestraften eine Atempause und jede Unachtsamkeit hart. Schwerste Arbeit, grausame Behandlung und berstendes Gestein führten dazu, dass das Leben der Bergwerkssklaven nur kurz war.

Der Sklave wurde nicht anders behandelt als irgendein Werkzeug. Er gehörte voll und ganz dem Sklavenhalter. Der setzte ihn so ein, dass er einen möglichst großen Gewinn brachte. Ein Sklave war rechtlos. Bei aussagen vor Gericht konnte er gefoltert werden. Andererseits konnten die Athener Sklaven bei grausamer Behandlung in einen Tempel fliehen. Man verkaufte sie dann an einen anderen Herrn. Außerdem durfte kein Sklave ohne gerichtliches Urteil mit dem Tode bestraft werden. Aber auch diese Bestimmungen brachten keine wesentliche Verbesserung ihrer Lebenslage.

Sklaven durften nicht an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen oder Gymnastik treiben. Sklaven hatten das Athener Theater mit erbaut, niemals aber durfte ein Sklave es besuchen. Das war ausschließlich den Freien vorbehalten.

Es kam auch vor, dass Sklavenhalter einem ihrer Sklaven die Freiheit gaben. Das geschah zum Beispiel, wenn der Sklave seinem Herrn einen besonderen Dienst geleistet hatte. Urkunden auf denen die Sklavenhalter die Freilassung bestätigten, bezeichnen die Sklaven als „männlichen Leib“ oder „weiblichen Leib“. Die Sklavenhalter sahen also selbst in freigelassenen Sklaven keine ihnen gleichenden Menschen.

Der Kampf der Athener Sklaven um ein besseres Leben

Die Sklaven ertrugen ihr schweres Los nicht ohne Widerstand. Sie wollten ihr Leben verbessern. Das versuchten sie auf unterschiedliche Weise. Ein Sklave war am Ergebnis seiner Arbeit nicht interessiert. Dann das, was er herstellte, gehörte ja seinem Herrn.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Sklaven arbeiteten oft nachlässig und beschädigten Werkzeuge. Sie wollten so ihre Kräfte sparen. In einigen Fällen wurden verhasste Sklavenhalter, von ihren Sklaven, die sie in die Verzweiflung getrieben hatten, getötet.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Zahlreiche Sklaven versuchten ihren Herren zu entfliehen. Das war die verbreitetste Form des Widerstands. Führte Athen Krieg und war dabei die Stadt selbst in Gefahr, so kam es zur Massenflucht der Sklaven.

Zwischen den mächtigen Staaten Griechenlands Athen und Sparta, entbrannte um 420 v.u.Z. ein Kampf um die Herrschaft in den griechischen Siedlungsgebieten. Als die Spartaner in Attika einfielen, flohen über 20 000 Athener Sklaven. Die meisten von ihnen hatten im Handwerk gearbeitet. Die Arbeitskräfte fehlten jetzt. Massenweise mussten die Werkstätten geschlossen werden, die Athener Wirtschaft erlitt große Verluste.

Das Ziel der Sklaven war ein menschenwürdiges Leben.  Was sie erarbeiteten, wollten sie selbst nutzen. Damit standen sie im unversöhnlichen Gegensatz zu den Sklavenhaltern, der zum Klassenkampf zwischen Sklaven und Sklavenhaltern führte. Dieser Gegensatz war unversöhnlich, weil die Sklavenhalter die Produktionsmittel(Boden, Werkstätten und Werkzeuge, Schiffe) und auch Sklaven besaßen. Wollten sie ihr Eigentum vergrößern, so mussten sie die Produktionsmittel und die Sklaven so einsetzen, dass die den größten Gewinn brachten. Das geschah, indem sie die Sklaven bis zum äußersten ausbeuteten. Wenn also die Sklaven um die Verbesserung ihres Lebens kämpften, war das immer ein erbitterter Kampf gegen die Sklavenhalter. Die erkennend, schreib zum Beispiel der reiche Athener Platon: „Die Sklaven sind ein Eigentum, das viel Unannehmlichkeiten mit sich bringt; denn sie werden nie Freunde ihrer Herren sein.“

Der Staat der Athener Sklavenhalter

Ungefähr die Hälfte aller Einwohner Athens waren Sklaven. „Sie werden nie Freunde ihrer Herren sein“, hatte Platon richtig erkannt. Auch die armen Handwerker, Bauern, Tagelöhner und die Schicht der Fremden teilten nicht voll die Interessen der reichen Sklavenhalter. Wie konnten die reichen Sklavenhalter ihre Herrschaft sichern? Wie war es ihnen möglich, immer neue Sklavenmassen für die Athener Wirtschaft auszunutzen?

Eine wichtige Hilfe für die Sklavenhalter, um die Sklaven zu beherrschen, war der Staatsapparat. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Sklaven zu beschaffen und ihre Ausbeutung zu sichern.

Attika war in zehn Verwaltungsbezirke eingeteilt, die gleichzeitig Abstimmbezirke darstellten. Jeder Bezirk konnte 50 Vertreter in den Rat der Fünfhundert entsenden. Dieser Rat verhandelte mit Gesandten fremder Staaten, berief die Volksversammlung ein, bereitete die hier zu fassenden Beschlüsse vor, überwachte deren Durchführung und kontrollierte die staatlichen Finanzen. Gewählte Beamte leiteten die Verwaltung, andere waren für die militärische Bereitschaft des Staates verantwortlich. Sie mussten dem Rat der Fünfhundert über ihre Tätigkeit berichten.

Die Gerichtsbarkeit lag in den Händen des Volkes. Aus jedem Wahlkreis wurden 600 Bürger durch das Los für die Volksgerichte bestimmt.  Das Volksgericht hatte außer der Führung von Prozessen auch über die Gültigkeit von Beschlüssen der Volksversammlung zu entscheiden.

Die Mitglieder des Rates der Fünfhundert, der Volksgerichte und die Beamten wurden jährlich neu gewählt. Aber nur Freie konnten in Athen wählen und in den Rat der Fünfhundert und in die Volksgerichte gewählt werden oder an der Volksversammlung teilnehmen. Fremde und Sklaven hatten diese Rechte nicht.

Die größte Gewalt im athenischen Staat hatte die Volksversammlung. An ihr konnte jeder freie Bürger vom 20. Lebensjahr an teilnehmen. Die Volksversammlung wählte die wichtigsten Beamten in offener Abstimmung durch Handerheben.

Andere Ämter(Ratsmitglieder, Richter)wurden verlost. Das geschah, indem man in ein Gefäß weiße und farbige Bohnen tat, in ein zweites Täfelchen mit den Namen der Bewerber. Dann wurden gleichzeitig eine Bohne und ein Täfelchen herausgenommen. Wessen Täfelchen zusammen mit einer weißen Bohne herauskam, der galt als gewählt.

Die Volksversammlung entschied über die wichtigsten Fragen und kontrollierte die Beamten. Bei Verfehlungen wurde der betreffende Beamte dem Gericht übergeben.

Das Bild zeigt die Volksversammlung während einer Abstimmung, die in diesem Falle durch Heben der Hand erfolgte. Im Vordergrund links steht eine Gruppe von Großgrundbesitzern; sie hat den Antrag der von der Mehrheit des Demos unterstützt wird, nicht gebilligt
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Der Aufbau des athenischen Stadtstaates im 5. Jahrhundert v.u.Z.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Ursprünglich hatten in Athen die Großgrundbesitzer allein geherrscht. Der Staat um 450 v.u.Z. ermöglichte die Mitbestimmung eines viel größeren Teils der Bevölkerung. Der Staat war eine Demokratie, in der Athener Bürgern große Rechte eingeräumt wurden. War der Athener Staat eine Volksherrschaft, eine echte Demokratie(demos=Volk)? Die Hälfte der Bewohner Athens, die Sklaven, besaßen keine Rechte. Die Fremden und alle Frauen waren von der Volksversammlung ausgeschlossen. So verfügte nur ein Sechstel der Einwohner Athens über alle staatlichen Rechte, das waren etwa 35 000 Bürger. Davon nahmen aber meist nur 5 000 bis 6 000 an der Volksversammlung teil. Besonders die außerhalb wohnenden Bauern konnten es sich selten erlauben, soviel Zeit zu opfern. Auch einfache Handwerker und Tagelöhner blieben oft aus demselben Grunde der Volksversammlung fern.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Die Staaten in Europa, Asien und Afrika um die Mitte des 1. Jahrtausends v.u.Z. Die Karte zeigt Staaten, die gleichzeitig mit dem Stadtstaat Athen bestanden
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Händler und Schiffsbesatzungen weilten wochenlang in der Fremde. So konnten die Angehörigen der unteren Schichten der Freien ihre politischen Rechte nicht voll wahrnehmen.

Viele Beschlüsse der Athener Volksversammlung zeigen deutlich, wessen Interessen sich in der Volksversammlung durchsetzten. Nach 440 v.u.Z. begann der Athener Staat den Kampf um Gebiete an der Meerenge zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. In diesen Gebieten, im Gebirge an der griechischen Küste und auf der Insel Thaso, gab es Bergwerke, in denen wertvolle Erze gefördert wurden. 432 v.u.Z. fasste die Volksversammlung den Beschluss, dass keine Händler aus der griechischen Stadt Megara in einem Hafen oder auf den Markt durften. Das einzige Vergehen der Stadt Megara war: Aus Athen geflohene Sklaven hatten dort Aufnahme gefunden.

Besiegte die Athener Streitmacht im Krieg einen anderen Stadtstaat, so beschloss die Athener Volksversammlung über das Schicksal der Besiegten. Mit Sicherheit sind Strafen überliefert, die in den Jahren 422v.u.Z. und 415 v.u. Z. besiegte Städte trafen. Alle nicht getöteten Einwohner wurden Sklaven.

Der Staat in Athen war eine Demokratie für die Sklavenhalter. In der Sklavenhalterdemokratie war der größte Teil der Athener Bevölkerung von der Mitbestimmung ausgeschlossen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Im Dionysostheater

Die Bürger Athens eilten ins neue Theater. Steinmetzen hatten die Sitzplätze mitsamt den Rängen und Zugängen in einen Felsen gemeißelt. 17 000 Zuschauer fanden in diesem Theater Platz. Hier saßen nur die männlichen freien Athener Bürger. Frauen durften das Theater nicht betreten.

Athener Dionysostheater am Südabhang der Akropolis
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Erwartungsvoll blickten alle zu der halbrunden Bühne. Gesang erklang; der Chor erschien. Aus dem Gesang erfuhren die Zuschauer Ort und Zeit der Handlung. Der Chor sang, schritt oder tanzte über die Bühne. Dann traten die Schauspieler auf. An den verschiedenen Masken, die sie trugen, und an ihrer unterschiedlichen Haltung erkannten die Zuschauer die verschiedenen Personen des Theaterstückes. Frauen- und Mädchenrollen wurden auch von Männern gespielt. Damit die Zuschauer von allen Plätzen gut sehen konnten, waren die Gesichtsmasken übergroße. Außerdem trugen die Schauspieler hohe Schuhe.

Eines Tages verfolgten die Zuschauer mit angehaltenem Atem das Spiel vom „Gefesselten Prometheus. Prometheus hatte den Göttern das Feuer geraubt. Er brachte es den Menschen, damit sie besser leben konnten. Da ließ ihn der Göttervater Zeus ergreifen. Weil Prometheus den Menschen geholfen hatte, wurde er an einen Felsen des Kaukasus geschmiedet. Die Zuschauer im Theater stöhnten, als Prometheus diese furchtbare Strafe erlitt. Doch dann sprangen sie begeistert von den Sitzen Auf: Prometheus ertrug alle Qualen, er bat nicht um Gnade. Er war stark für die Menschen, denen er das Feuer erhalten wollte. Prometheus war stärker als die Götter: Mit diesem Gedanken verließen die Athener Bürger das Theater.

siehe auch Beitrag „Die kulturellen Leistungen der alten Griechen“

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die kulturellen Leistungen der alten Griechen

Baukunst und Bildhauerei

Die Athener Bürger waren bestrebt, ihre Stadt durch prachtvolle Bauten zu verschönern. Die größten Leistungen vollbrachten die griechischen Architekten beim Bau von Tempeln. Der griechische Tempel erhob sich auf einem dreistufigen Fundament. Schlanke Säulen strebten nach oben. Die Wände waren mit Reliefs geschmückt.

Im 5. Jahrhundert entstanden auf der Akropolis von Athen mehrere solcher schöner Säulentempel. Ein breiter Aufgang, der auf beiden Seiten von hohen Säulen begrenzt war, führte auf den Burgberg. Der bedeutendste Tempel auf der Akropolis war der Parthenon-Tempel. Er bestand aus kostbarem Marmor und war mit 70 Meter Länge und 30 Meter Breite zugleich das größte Gebäude. Ihn hatte man der Schutzgöttin Athens, der Athene, geweiht. Wie die anderen Tempel schmückten ihn Reliefs. Sie zeigten einen friedlichen Wettstreit der Göttin Athene mit dem Meeresgott Poseidon um die Herrschaft über Attika und den Kampf der Griechen gegen Fabelwesen. Einmal im Jahr zogen die Athener Bürger in einem festlichen Zug auf die Akropolis und brachten der Schutzgöttin ein kostbares Geschenk. Auch die Darstellung dieses Zuges konnte man auf einer Längsseite der Parthenon bewundern. Die Schutzgöttin der Stadt und die eigenen Leistungen sollten an dieser Stelle glaubhaft gewürdigt werden.

Parthenon-Tempel. Gesamtansicht
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Verzierungen am Dach des Parthenon-Tempels. Die Pracht des Parthenon wurde noch durch blaue und rote Bemalung verstärkt. Diese Farben gab es auch im Tempelinneren. Dazwischen schimmerten schmale vergoldete Streifen. Im dunkleren Innenraum des Tempels stand eine hohe Statue der Göttin Athene
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Überall in Athen standen Bronze- und Marmorstatuen. Sie waren oft von beachtlicher Größe. Ein weiteres Standbild der Athene, von Phidias geschaffen, war neun Meter hoch. Es zeigte die Göttin in voller Rüstung. Schon von weitem grüßte sie die herannahenden Schiffe. Vorbild der Bildhauer für ihre Werke waren die freien Athener Bürger. Ihnen wurde Schönheit und Tapferkeit zugesprochen. Ob die Standbilder Götter darstellten oder hervorragende Persönlichkeiten, eines war ihnen gemeinsam: Die Formen und angedeuteten Bewegungen des menschlichen Körpers waren wirklichkeitsgetreu nachgebildet. Auch die Götter erhielten menschliche Gestalt.

Auch in den folgenden Jahrhunderten schufen die Griechen wertvolle Kulturdenkmäler. Zu ihnen gehört der herrliche Altar der Stadt Pergamon aus dem 2. Jahrhundert v.u.Z.

Athener Tempel
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Götterbildnis aus Griechenland
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Statue der Göttin Athene im Innenraum des Partheon, Mitte des 5. Jahrhunderts v.u.Z. Der Bildhauer Phidias hatte sie geschaffen. Sie strahlte Reichtum, Kraft und Ruhe aus. Golden schimmerten Kleidung und Haarschmuck, Elfenbein war das Material für Gesicht und Arme
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982
Westseite des Pergamon-Altars, wiederaufgebaut im Pergamon-Museum der Staatlichen Museen Berlin
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Zum heutigen Stand des Pergamon-Museums bitte auf Wikipedia nachsehen Für den Inhalt ist Wikipedia verantwortlich. – Nicht der Geschichtsblog.

Das Theater

Seit langer Zeit feierten die Athener jährlich ein großes Frühlingsfest. Es war dem Gott Dionysos gewidmet. Dionysos war der Gott des für Athen wichtigen Weinbaus. Zum Fest gehörten Lieder, die von einem maskierten Chor gesungen wurden. Im 6. Jahrhundert v.u.Z. wurden daraus Theatervorstellungen.

Schauspieler in Maske
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

In jedem Frühjahr wurden an einem Tage bis zu zehn Stücke aufgeführt. Ihre Reihenfolge loste man aus. Nach den Vorstellungen wurde der Verfasser des besten Stückes als Sieger geehrt. Die Texte der aufgeführten Stücke kamen ins Archiv von Athen. Viele Theaterstücke blieben bis heute erhalten. Der Mensch ist stärker, als die Götter, wenn er klug, listig und tapfer ist. Er kann sein Leben selbst gestalten. Dieser Gedanke fand sich in verschiedenen Theaterstücken.

Theaterstücke von berühmten griechischen Dichtern, wie Sophokles, Aristophanes und Euripides, standen auch noch auf den Spielplänen der Theater der DDR.

Sport und olympische Spiele

Tapferkeit und Schönheit sollten Eigenschaften der freien Athener Bürger sein. Die Aufgabe, diese Eigenschaften anzuerziehen, hatte auch der Sport. Um die Knaben für den späteren Kriegsdienst auszubilden und abzuhärten, gab es in Athen besondere Turnschulen, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet sein mussten.

Die Knaben beschäftigten sich in den Turnschulen unter Anleitung eines Trainers mit Ball- und Reifenspielen, mit Seilziehen, Tanz und turnerischen Übungen. Ein Ringplatz in der Turnhalle war mit tiefem Sand bedeckt, in welchem sich die Ringenden wälzten. Vor und nach dem Turnen rieb man sich mit Öl ein, um die Haut geschmeidig zu halten. Waren die Jungen 16 Jahre alt, so begann für sie die direkte Vorbereitung auf den Kriegsdienst. Dafür gab es in Athen drei besondere Schulen, die Gymnasien.

Alle vier Jahre kamen die Griechen in Olympia in Südgriechenland zu sportlichen Wettkämpfen zu Ehren ihres obersten Gottes Zeus zusammen. Für einen Monat wurde ein allgemeiner Landfrieden verkündet. Alle griechischen Stadtstaaten mussten für diese Zeit Kämpfe gegeneinander einstellen. Die ersten nachweisbaren Olympischen Spiele fanden im Jahre 776 v.u. Z. statt.

Der Wettlauf war die geachtetste Disziplin. Er führte einmal um die Bahn des Stadions, die in Olympia 192 Meter maß. Außerdem standen der Langlauf, der Ringkampf, der Waffenlauf und der Fünfkampf auf dem Programm. Letzterer setzte sich aus Sprung, Lauf, Diskuswurf, Speerwurf und Ringkampf zusammen. Auf einer anderen Bahn veranstaltete man Wagenrennen. Bei diesen Wettkämpfen wurden nicht der Reiter oder der Wagenlenker geehrt, sondern der Pferdebesitzer galt als Sieger. Ein Waffenlauf beendete die sportlichen Wettkämpfe.

Diskuswerfer, geschaffen von Myron, einem der bekanntesten Bildhauer im fünften Jahrhundert v.u.Z.
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Stets umsäumten Tausende von Zuschauern die Kampfstätten. Am letzten Tage der Spiele erfolgte im Tempel des Zeus die feierliche Siegerehrung. Die Olympiasieger erhielten einen Kranz, der aus den Zweigen eines in Olympia stehenden heiligen Ölbaumes geflochten war. Am Abend gab es einen Festschmaus. In seiner Heimatstadt errichtete man dem Olympiasieger zu Ehren oft eine Staue. In den Theatern erhielt er die besten Plätze. Überall begegnete man ihm mit Ehrfurcht. Die olympischen Spiele trugen viel dazu bei, dass sich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Griechen festigte.

Wissenschaft

Die Athener hatten ausgedehnte Handelsverbindungen mit Gebieten im Alten Orient. Dort wurden sie mit den Ergebnissen der orientalischen Wissenschaften bekannt. Die Seefahrt selbst erweiterte ihre Erkenntnisse über die Natur. Die Griechen konnten sich auf dem offenen Meer orientieren, erkannten herannahende Unwetter an der Färbung des Himmels und des Wassers. Schließlich erlebten sie das Aufblühen ihres Staates, im dem viele Bürger mitbestimmen konnten. Dadurch wuchs bei ihnen das Wissen um die große Kraft des Menschen, dem sich auch die Natur beugen muss. Griechische Wissenschaftler stellten an vielen Vorgängen der Natur fest, dass daran nicht Götter beteiligt waren, sondern alles seine natürlichen Ursachen hatte. Diese Ursachen versuchten sie zu erklären.

Griechische Philosophen begannen also, die Welt ohne Wirken von Göttern, aus natürlichen Ursachen zu erklären. Die Versuche zur Erklärung der Welt bedeuteten im Vergleich zum Götterglauben im Alten Orient einen großen Fortschritt im menschlichen Denken.

Die Philosophen späterer Jahrhunderte gingen von den Leistungen der griechischen Denker aus. Auch Karl Marx hatte Schriften der griechischen Philosophen und die griechische Geschichte genau studiert, bevor er zu seinen großen Erkenntnissen kam.

Die Griechen gelangten auch in anderen Wissenschaften zu bedeutenden Erkenntnissen, die aber vielfach wieder verloren gingen. Zahlreiche griechische Wissenschaftler waren in Alexandria tätig. Hier gab es eine große Bibliothek, hier stand das Museion, eine Lehr- und Wohnstätte für Gelehrte.

Besonders Mathematik und die Naturwissenschaften, wie Medizin, Physik, Astronomie und Geographie, erreichten einen hohen Stand. Der griechische Arzt Hippokrates trat der bis dahin herrschenden Auffassung entgegen, dass die Krankheiten von Göttern auf die Erde herabgesendet werden. ER führte alle Krankheiten auf natürliche Ursachen zurück und lehnte Gebete und Beschwörungen als Heilmethode ab. Das jetzt betriebene Sezieren (Zerlegen) menschlicher Leichname führte zur Begründung der Chirurgie.

Einer der größten Mathematiker und Physiker des Altertums war Archimedes von Syrakus. Er entwickelte vor allem die Mechanik. Bei ihm finden wir erstmalig klar formulierte Grundlagen für die Berechnung von Hebelwirkungen und Tragfähigkeit von Schiffen.

Griechische Astronomen lehrten schon die Kugelgestalt der Erde. Aristarch von Samos vertrat die Ansicht, dass die Erde um die bewegungslos im Mittelpunkt der Bahn ruhende Sonne kreist und sich dabei um die eigene Achse dreht. Er lehnte die damals übliche Vorstellung ab, nach der die Erde eine Scheibe ist und bewegungslos im Mittelpunkt der Welt ruht.

Die Geographie erfuhr mit Eratosthenes eine Weiterentwicklung. Er ging ebenfalls von der Kugelgestalt der Erde aus und berechnete ihren Umfang mit etwa 40 050 Kilometern. Der tatsächliche Erdumfang beträgt 40 076 Kilometer! Erst vor ungefähr 200 Jahren gelang es, die Berechnungen des Eratosthenes zu verbessern.

Für bedeutende Leistungen in der Bildhauerei, Malerei und auch Dichtung in späterer Zeit war die griechische Kunst Vorbild. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Griechen stellen einen Höhepunkt des menschlichen Denkens dar. Die kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen der Griechen wirken bis in unsere Zeit fort.

siehe auch Beitrag „Im Dionysostheater“

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Im Hafen von Piräus

Im Hafen von Piräus
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Griechische, ägyptische, persische und arabische Worte schallten über den Kai von Piräus. Lastträger schleppten schwere Ballen, pralle Säcke und große Tongefäße von den ankommenden Schiffen auf den Kai. Einige Säcke und Ballen ließen die Fernhändler in das Deigma, eine große Halle bringen. Hier wurden sie geöffnet. Um diese Waren drängten sich Athener Händler. Sie suchten hier die Waren aus, die sie brauchten und prüften sie genau. Dann trieben sie ihre mit Getreide, anderen landwirtschaftlichen Produkten, Salz und Elfenbein oder auch mit kostbaren Teppichen beladenen Esel auf den Markt von Athen.

Ein Fernhändler merkte im Deigma sehr genau, ob sich die Händler für seine Waren sehr interessierten und wieviel er verdienen konnte. Danach würde er sich richten, wenn er wieder Waren nach Piräus brachte. Zuerst einmal aber wurden seine Schiffe hier beladen. Handwerkliche Erzeugnisse, wie Töpferwaren, Gewebe, Juwelier- und Schmiedewaren, auch Öl und Wein wurden über schwankende Laufstege getragen und von den Schiffbäuchen verschluckt.

Die Fernhändler stammten größtenteils aus Athen. Kam ein fremder Kaufmann zum ersten Mal nach Piräus, war er sogleich beindruckt von dem geschäftigen Treiben und der Reichhaltigkeit der Waren.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR