Die Entstehung und Festigung des fränkischen Staates

Die Auflösung der Urgesellschaft bei den Franken

Die Franken in Gallien

Im Gebiet östlich des mittleren und unteren Rheins wohnten im 3. Und 4. Jahrhundert westgermanische Stämme, die Franken genannt wurden.

Fränkischer Krieger
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Fränkischer Krieger, wie er nach der Beschreibung eines Geschichtsschreibers aussah                                 „Einfach ist die Ausrüstung des Volkes und bedarf nicht vieler Werkmeister, sondern von denen selbst, welche sie tragen, kann leicht ausgebessert werden, was etwa zerbrochen ist. Panzer und Beinschienen kennen sie nicht, Die meisten gehen barhäuptig einher, wenige tragen einen Helm in der Schlacht. Brust und Rücken sind bis zu den Hüften unbedeckt. Beinkleider aus Leinwand oder Leder umschließen die Schenkel…An der Hüfte hängst das Schwert, an der Linken der Schild. Bogen, Schleudern und andere Waffen zum Fernkampfe haben sie nicht, aber ihre zweischneidigen Beile und Angonen sind von größter Wirksamkeit. Die Angonen sind Speere, die weder sehr groß, noch allzuklein sind, und die ebenso zum Wurfe wie im Handgemenge zum Stoße taugen. Sie sind fast ganz mit Eisen beschlagen, so dass der hölzerne Schaft kaum sichtbar ist.“

Entnommen aus dem Geschichtsbuch für die 6. Klasse, Stand 1982

Ständig waren sie bestrebt, neues Land für den Ackerbau zu gewinnen. Deshalb überfielen sie oft andere Völker. Der König eines fränkischen Stammes, Chlodwig, fiel mit seinen freien Kriegern in Gallien ein und besiegte im Jahre 486 den römischen Statthalter und sein Heer. Damit hatten die Franken die Reste der römischen Staatsmacht und zugleich die Sklavenhaltergesellschaft in Gallien beseitigt.

Das Frankenreich unter Chlodwig
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Unterwerfung Galliens beschleunigte bei den Franken die Auflösung der Urgesellschaft. Jetzt nahmen sich die freien Bauern in Gallien Land. Sie siedelten sich nicht mehr in Sippengemeinschaften, in der die Verwandten beieinander wohnten, sondern in Dorfgemeinschaften an. Die Bauernkrieger erhielten Land zugeteilt. Sie bearbeiteten es selbstständig mit ihrer Familie. Allmählich wurde dieses Land zum Privateigentum des einzelnen fränkischen Bauern:

Er durfte es verkaufen, verschenken oder vererben. Nur Weide, Wald, Gewässer, auch Allmende genannt, blieben Gemeineigentum der Dorfbewohner. Während der langen Kriege hatten die fränkischen Stammesführer und Könige alle Entscheidungen ohne das Thing getroffen.

Die Stammesführer stärkten ihre Stellung weiter, indem sie sich große Teile des eroberten Landes als Eigentum nahmen. Sie bildeten Gefolgschaften (wie früher die Germanenstämme). Den Gefolgsleuten teilten sie Land zu. Die Stammesführer und die Gefolgsleute, die mehr Land als die freien Bauern und mehr Rechte besaßen, bildeten am Ende des 5. Jahrhunderts die adlige Oberschicht, kurz Adlige genannt. (Sie betrachteten sich als etwas Besseres: als edel oder adlig).

Die Gründung des fränkischen Staates

Der einflussreichste König war am Ende des 05. Jahrhunderts Chlodwig. Er stammte aus der Familie der Merowinger. Zu seinem hohen Ansehen hatten vor allem seine Siege über den römischen Statthalter in Gallien beigetragen. Chlodwig gelang es, die Führer der übrigen fränkischen Stämme zu beseitigen und selbst König aller Franken zu werden.

Chlodwig. Statue vom Grabmal 6. Jh.
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Nachdem die Franken in Gallien den römischen Sklavenhalterstaat vernichtet hatten, brauchten die zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft einen eigenen Staat. Der fränkische Staat entstand um 500 unter Chlodwig. Der Staat der Franken hatte die Aufgabe, das eroberte Land zu sichern, die dort lebende Bevölkerung (vor allem die Kolonen und Unfreien) zu beherrschen, neue Eroberungen vorzunehmen und die freien fränkischen Bauern in die Abhängigkeit zu zwingen.

Die Franken übernahmen in Gallien das römische Gerichtswesen und die staatliche Münzprägung des römischen Sklavenhalterstaates. König Chlodwig stärkte seine Macht durch die Aneignung riesigen Grundbesitzes. Er stattete Angehörige seiner Gefolgschaft reich mit Land aus und ernannte sie – ebenso wie eine Reihe ehemaliger römischer Großgrundbesitzer- zu königlichen Beauftragten, zu Grafen. Sie erhielten verschiedene Gebiete des fränkischen Reiches zur Verwaltung: man nannte sie Grafschaften. Der fränkische Staat wurde zu einem Machtorgan des Adels. Nachdem nahezu ganz Gallien erobert war, wurden Feldzüge in Richtung Osten unternommen. Chlodwigs Söhne setzten die Eroberungen fort. Der fränkische Staat sehnte sich bald über weite Gebiete West- und Mitteleuropas aus. Friedrich Engels wertete den Staat als „eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch die andre“.

Merowingische Goldmünze, 6. Jh. (vergrößert)
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Als die Franken unter Chlodwig Gallien überfielen, trafen sie auf die schon geschwächte römische Sklavenhaltergesellschaft. Da sie das eroberte Land beherrschen wollten, mussten sie einen neuen Staat aufbauen. Chlodwig nachte sich zum König der Franken und setzte Adlige als Grafen ein. Dadurch löste sich bei den Franken die Urgesellschaft schneller auf. Die freien Franken und Gallier wurden unterdrückt.

Die Festigung des fränkischen Staates

Die herrschende und die unterdrückte Klasse bei den Franken

Die Eroberung Galliens hatte für die Entwicklung der Ungleichheit bei den Franken und für die Festigung des fränkischen Staates weitreichende Folgen. Es bildete sich eine neue herrschende Klasse heraus, die sich allmählich zur Klasse der Feudalherren entwickelte. Ihre Macht beruhte auf gewaltigem Landbesitz, dem wichtigsten Produktionsmittel. Zur sich herausbildenden herrschenden Klasse gehörten:

-Der König mit dem größten Landbesitz.

-Fränkische Stammesführer, die sich das Land der geflohenen römischen Großgrundbesitzer aneigneten.

-Ehemalige römische Großgrundbesitzer, die dem fränkischen Adel ihre Dienste anboten und zur Zusammenarbeit mit ihm bereit waren. Sie zeigten den Franken, wie man Bauern ausbeutet.

-Der Dienstadel des Königs. Er wurde aus Gefolgsleuten des Königs gebildet. Es waren Grafen (die Grafschaften verwalteten), Heerführer (die neues Land eroberten und sicherten) und Gutsverwalter (der König konnte sein Land nicht allein verwalten). Sie leisteten also dem König Dienste.

Zugleich entstand allmählich die neue unterdrückte Klasse. Das waren diejenigen, die wenig oder kein Land besaßen. Dazu gehörten:

-Halbfreie, die ein winziges Stück Land besaßen, aber meist auf den Feldern der Adligen arbeiten mussten.

-Unfreie, die kein Land besaßen und auf den Gütern und Feldern für den Adel arbeiteten.

So bestand im fränkischen Staat ein Gegensatz zwischen dem Adel, der großen Grundbesitz hatte, und den Bauern sowie den Halb- und Unfreien. Die Macht der herrschenden Klasse nahm zu, die Gleichheit aller Freien in der Dorfgemeinschaft wurde schließlich endgültig beseitigt.

Chlodwigs Übertritt zum Christentum

Ein weiteres Ereignis, das zur Festigung des fränkischen Staates beitrug, war die Übernahme der christlichen Religion durch König Chlodwig. Er soll während eines Feldzuges gegen die Alamannen zusammen mit 3 000 seiner Krieger zum Christentum übergetreten sein. Was veranlasste ihn, diesen Schritt zu tun?

Die Bewohner Galliens waren Christen. Chlodwig hoffte, wie früher die römischen Kaiser, sie leichter in Gehorsam zu halten, wenn er auch Christ wurde. Die römischen Großgrundbesitzer, die nicht vor den Franken flohen, waren ebenfalls Christen. Mit seinem Übertritt zum Christentum konnten Chlodwig und der fränkische Adel sie leichter als Verbündete gewinnen. Die Kirche war – wie bereits im Römischen Reich- einer der größten Landeigentümer. Der König bekannte sich zur Kirche und verbündete sich mit ihr. Er schenkte ihr Land und vermehrte somit ihren Reichtum. Die christliche Kirche beeinflusste die Bevölkerung, die dem Beispiel des Königs sehr bald folgte und zum Christentum übertrat.

In der Bibel („Neues Testament“) steht:

„Ermahnung zum Gehorsam gegen die Obrigkeit….                                                                  Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebet Gottes Ordnung…                                                                                                              So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid:                                                                            …Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“

Die merowingische Kirche in Poitiers (sprich poatjé), 7./8. Jh.
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Chlodwigs Übertritt zur Kirche festigte seine Macht und förderte die Entwicklung zur Klassengesellschaft im fränkischen Reich. Die christliche Kirche wurde – wie vorher im römischen Sklavenhalterstaat – zur Stütze des feudalen Staates.

 

Fibel aus einem Adelsgrab, 7. Jh. , Goldene Scheibenfibel, 7. Jh.
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Chlodwig festigte den fränkischen Staat, der um 500 entstanden war. Zu der sich herausbildenden herrschenden Klasse gehörten der König, fränkische Stammesführer, ehemalige römische Großgrundbesitzer und der Dienstadel. Sie besaß das wichtigste Produktionsmittel, den Grund und Boden. Zugleich begann die Herausbildung der unterdrückten Klasse.

Der Eintritt Chlodwigs und des fränkischen Adels in die christliche Kirche trug zur weiteren Festigung des Staates bei. Die Kirche heiligte den fränkischen Staat wie zuvor den römischen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Entstehung des Feudalismus in West- und Mitteleuropa

Der Feudalismus entwickelte sich in einem langwierigen und komplizierten Prozess in vielen Gebieten der Erde.

Zunächst erfahren wir etwas über sein Entstehen in West- und Mitteleuropa und sehen, dass mit der Herausbildung des Feudalismus in diesem Gebiet die Geschichte des deutschen Volkes und Staates begann.

In Westeuropa lebten die germanischen Stämme der Franken, bei denen sich die Urgesellschaft noch nicht völlig aufgelöst hatte. Bei ihren Eroberungen trafen sie auf Völker, die in der Sklavenhalterordnung lebten.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Buchvorstellung „75 Jahre Bundesrepublik Deutschland“

Herr Dr. Klammeier hat beim Geschichtsblog angefragt, ob er das Buch „75 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ vorstellen darf.

Da der Geschichtsblog und seine Schwesterblogs parteiunabhängig sind, können alle ihre Meinung kundtun, außer AfD und andere Rechte sowie Rechtspopulisten. Beleidigende und unsachliche Inhalte gehen natürlich auch nicht.

So können Herr Dr. Kammeier und seine Freunde ihr Buch gerne hier vorstellen.

So wie der Geschichtsblog und dessen Schwesterblogs, sind die Arbeiten von Herrn Dr. Kammeier und seinen Freunden als Ergebnis ihres Hobbys entstanden. Der Geschichtsblog und seine Schwesterblogs werden ja auch hobbymäßig betrieben.

Ich merke hier an, dass die Inhalte des Buches nicht der Meinung des Geschichtsblogs und dessen Schwesterblogs entsprechen.

 Petra Reichel


Gastbeitrag von Dr. Heinz Ulrich Kammeier:

Uns drei Autoren eint ein gemeinsames Hobby, nämlich das Sammeln von Autogrammen und Autographen, mit dem wir bereits als Schüler anfingen. Wie bei anderen Sammelgebieten auch spezialisiert man sich irgendwann: Christian Bach auf „Film/TV/Show“, Peter Krevert auf „Sport“ und Heinz-Ulrich Kammeier auf „Politik“.

Wir sind in der „Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler“ und dem „Club der Autogrammsammler“ organisiert und stehen in regem Austausch miteinander. Auf diese Weise sind einige Bücher entstanden, zum Beispiel 2005 „Was Prominente mit Sammlern und Bewunderern erleben“ und 2022 „50 Jahre Olympische Spiele in München“.

Vor ca. einem Jahr entstand die Idee, anlässlich des 75. Jahrestages des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ein weiteres Buch zu verfassen. Die Idee, lediglich die Politik mit ihren Erfolgen und Fehlentwicklungen zu thematisieren, verwarfen wir nach einem ersten Gedankenaustausch, denn auch sportliche Ereignisse („Helden von Bern“, Katharina Witt usw.) und der Unterhaltungssektor (Sisi- und Karl-May-Filme, Kultsendungen „Einer wird gewinnen“/Kulenkampff, „Wetten dass“, „Neue Deutsche Welle“) haben das Bewusstsein der Menschen nachhaltig geprägt.

Und so haben wir, gewissermaßen als Kompromiss, den Schwerpunkt auf der Politik gelassen, die anderen skizzierten Bereiche aber angemessen berücksichtigt in der Hoffnung, viele Menschen anzusprechen und mancherlei Erinnerungen wachzurufen.

Heinz-Ulrich Kammeier

Peter Krevert – Heinz-Ulrich Kammeier – Christian Bach
75 Jahre Bundesrepublik Deutschland – eine einzigartige autographische Zeitreise
280 Seiten, kompletter Farbdruck, € 19,75 zuzüglich Versand

Bestelladresse :

Dr. Heinz-Ulrich Kammeier                                                                                                               Bertha-von-Suttner-Hof 8                                                                                                                     33803 Steinhagen                                                                                                                                   Tel. 05204/8718819                                                        

Mail: hukammeier@aol.com

Peter Krevert – Heinz-Ulrich Kammeier – Christian Bach

75 Jahre Bundesrepublik Deutschland – eine einzigartige autographische Zeitreise

280 Seiten, kompletter Farbdruck, € 19,75 zuzüglich Versand

Tauchen Sie ein in die bewegte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – von den Anfängen der Bonner Republik bis zur modernen Berliner Republik. Dieses Buch ist ein visuelles Fest, das Entwicklungen, Wendepunkte und Ikonen der letzten 75 Jahre widerspiegelt. Auch Skandale finden Erwähnung – eine Demokratie ist nicht perfekt…

Was erwartet Sie ?

  • Dokumente und Handschriften, Autogrammkarten und signierte Ersttagsbriefe, die die politischen, sportlichen und kulturellen Entwicklungen nachzeichnen
  • Erläuternde Texte etwa zur Gründung des neuen Staates, zur Saarfrage, dem Regierungswechsel 1969, dem Olympia-Attentat, der RAF, der Wiedervereinigung, den deutschen Fußball- Weltmeisterinnen und Weltmeistern, deutsch-deutscher Sport-Ikonen wie Katharina Witt oder Birgit Fischer, Kult-Serien wie die « Lindenstraße », Showmaster wie Kulenkampff, Frankenfeld oder Gottschalk
  • 1000 Abbildungen, die mancherlei Erinnerungen wachrufen
  • Handschriften wie ein Privatbrief von Willy Brandt, Redemanuskripte von Helmut Schmidt und Wolfgang Schäuble, Tagebucheinträge von Fritz Walter

Sichern Sie sich Ihr Exemplar  «75 Jahre Bundesrepublik» und feiern Sie mit uns im Mai die Demokratie, Vielfalt und jüngere Geschichte unseres Landes !

Leseproben siehe Dokumentenanhang :

Eine Weinkönigin wird Bundesministerin

„Bedingt abwehrbereit“ und doch gesiegt… (SPIEGEL-Affäre)

Späte Forschung und Erkenntnisse (DER SPIEGEL)

Wer hätte es gedacht? Über eine Unrühmlichkeit der deutschen Geschichte darf geforscht werden. Es geht um den Kolonialkrieg gegen die Herero von 1904 bis 1907. 

In der DDR war dieses Ereignis Schulstoff, wie uns das Geschichtsbuch der DDR zeigt. In der, nun vergrößerten, BRD besinnt man sich nun auch auf dieses Thema. 2021 gab es einen Artikel im SPIEGEL und so auch jetzt. Siehe Beitrag in DIE TROMMLER-ARCHIV. 

Natürlich wird heute nicht über den Zusammenhang mit Imperialismus und Kapitalismus geredet und geschrieben. Es war halt eben die Brutalität eines einzelnen, hier des Generals von Trotha.

General von Trotha um 1905
Bild entnommen aus DER SPIEGEL Nr.2/05.01.2024

Nun ja, besser spät, wie nie. Positiv ist, dass die Wissenschaftler Eckl und Häussler anhand des Tagebuches des Herrn von Trotha nun ihre Forschungen betreiben.

Fotoalbum von General von Trotha
Bild entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 2./05.01.2024
Überlebende Herero nach Rückkehr aus der Savanne um 1905
Bild entnommen aus DER SPIEGEL Nr.2/05.01.2024
Wissenschaftler Eckl und Häussler
Bild entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 2/05.01.2024

Die Wissenschaftler Eckl und Häussler finden nicht die Antwort auf das „Warum?“. Nun ja, da könnten sie ja mal das Geschichtsbuch aus der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982 zu Rate ziehen. Ob sie darauf kommen? Aber das wird ja wohl tabu sein. Schließlich war lange Zeit dieses historische Ereignis in Westdeutschland tabu.

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Original-Artikel aus DER SPIEGEL Nr. 2/05.01.2024

Überblick über die Staaten um 200

In Europa und Asien war das Jahr 200 der Übergang zum Feudalismus in Vollem Gange. Aber diese Umwälzung vollzog sich in unterschiedlichem Tempo. Im Römischen Reich hatte dieser Übergang im 2. Jahrhundert gerade begonnen, in China (Han-Reich) war er schon abgeschlossen.

Sasanidische Silbervase
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Im Römischen Reich verlor die Sklaverei an Bedeutung. In anderen Staaten auf der Welt (vergl. Weltkarte in diesem Beitrag) bestanden erste Klassengesellschaften. In diesen Staaten war die Sklaverei nicht die Grundlage der Gesellschaft. Es gab Sklaven, aber im wichtigsten Wirtschaftszweig, in der Landwirtschaft, war die Sklaverei in diesen Staaten nicht vorherrschend. Hier blieb die Arbeit der Dorfgemeinschaften grundlegend für die landwirtschaftliche Produktion. Deshalb vollzog sich in diesen Ländern auch der Übergang zur Feudalgesellschaft anders als im Römischen Reich. Aus der Zersetzung der Dorfgemeinschaften entwickelte sich der feudale Grundbesitz.

Zentraltempel des meroistischen Pilgerzentrums in Musawwarat es Sudra (in der heutigen Republik Sudan)
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Östlicher Nachbar des Römischen Reiches war das Parther-Reich. Dieses ging im Jahre 226 unter und wurde vom Reich der Sasaniden abgelöst. Freie Bauern gerieten hier in wirtschaftliche Abhängigkeit von Grundherren, die Bauern und Handwerker wurden hoch besteuert. Ehemalige Sklaven wurden Pächter von Landparzellen.

Das Kushanreich hatte sich Nordindien eingegliedert und war auf der Höhe seiner Macht. Im übrigen Indien existierten weiter verschiedene Staaten.

Das chinesische Han-Reich brach im Jahre 220 nach langen inneren Kämpfen und Aufständen zusammen. Besonderen Anteil hatte daran ein großer Bauernaufstand, der zwar niedergeschlagen wurde, aber doch zur Zerrüttung der inneren Verhältnisse beitrug.

Auch in Japan und Korea und in Hinterindien kam es zur Herausbildung der ersten Staaten. In Afrikaexistierten erste Staaten im Nordosten des Erdteils, z.B. der Staat Meroe. In allen anderen Gebieten Afrikas und in ganz Amerika bestand weiterhin die Urgesellschaft.

Die Welt um 200
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Untergang des Weströmischen Reiches

Im 3. Jahrhundert hatte der Niedergang des römischen Sklavenhalterstaates begonnen. Der römische Senat hatte nur noch in der Stadt Rom etwas zu bestimmen. Die Kaiser wechselten häufig. Die Städte verfielen. Zahlreiche Kriege erschütterten das Römische Reich. Viele fremde Völker, die außerhalb der Grenzen lebten, drangen in römische Gebiete ein. Die Wirtschaft wurde zerrüttet, und der Handel ging zurück. Der Großgrundbesitz nahm zu.

Das Heer war neben den zahlreichen Beamten die einzige feste Stütze des Reiches. Um die Herrschaft der Sklavenhalter noch retten zu können, wurde noch mehr Macht in den Händen des Kaisers vereinigt. Am Ende des 3. Jahrhunderts verschärfte sich die Militärherrschaft weiter. Der Kaiser wurde als dominus (=Herr) über alle seine Untertanen bezeichnet. Diese letzte und höchste Stufe der römischen Militärherrschaft wird der Dominat genannt (284 bis 476).

Im 4. Jahrhundert wurde das Reich in ein Oströmisches und in ein Weströmisches Reich geteilt. Hauptstadt des Oströmischen Reiches wurde Konstantinopel (das heutige Istanbul). Der Kaiser des Weströmischen Reiches hatte seinen Sitz nicht mehr in Rom, sondern in Mailand, zeitweilig auch in Trier im Moselland und in Ravenna in Norditalien.

Grabmal des Ostgotenkönigs Theoderich in Ravenna
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die sechste Klasse, Stand 1982

Im 5. Jahrhundert bildeten sich auf dem Boden des Weströmischen Reiches verschiedene Königreiche. In zahlreichen Kriegen und Aufständen brach das morsch gewordene Weströmische Reich zusammen. Es bestand in der Mitte des 5. Jahrhunderts nur noch aus Italien und einigen Gebieten in Gallien, im Alpenland und in Dalmatien. Im Jahre 476 sah der Befehlshaber der germanischen Söldner in Italien, Odoaker, keinen Grund mehr, den zerrütteten weströmischen Staat weiter zu unterstützen. Weil man seine Forderung nach Siedlungsland in Italien verweigerte, setzte er kurzerhand den letzten weströmischen Kaiser ab. Schon wenige Jahre später (493) errichtete König Theoderich (in der Heldensage Dietrich von Bern) den Staat der Ostgoten in Italien, nachdem er die Macht Odoakers vernichtet hatte.

Theoderich-Münze
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die sechste Klasse, Stand 1982
Vergoldeter Spangenhelm aus einem Adelsgrab von Stößen, Kreis Weißenfels, 6. Jahrhundert
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die sechste Klasse, Stand 1982

Im 5. Jahrhundert wurde das weströmische Reich zerschlagen. Das Oströmische Reich bestand dagegen unter dem Nehmen Byzanz noch bis 1453 weiter. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches wurde zugleich der Sklavenhaltergesellschaft der entscheidende Schlag versetzt. Etwa um 600 war die Sklaverei als Gesellschaftsordnung endgültig beseitigt. Als Form der Ausbeutung bestand sie jedoch noch lange Zeit weiter.

Ursachen für den Untergang des Weströmischen Reiches:

 

Wirtschaftliche Zerrüttung      

 – Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge

-Verarmung der Handwerker und Kaufleute

-Verminderung des Handels

-Größere Selbstständigkeit der Provinzen

-Zunahme des Großgrundbesitzes

 

Schwächung der Staatsmacht: 

-Widerstand der freien Bauern, Kolonen und Sklaven

          -Befreiungskämpfe in den Provinzen

           -Ständige Einfälle germanischer Stämme

Germanenreiche auf dem Gebiet des Weströmischen Reiches und das Oströmische Reich im Jahre 476
Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die sechste Klasse, Stand 1982

Wie wirkte sich der Untergang des Weströmischen Reiches auf die gesamte Sklavenhalterordnung aus?

Für den Untergang des Weströmischen Reiches und für die Beseitigung der Sklavenhaltergesellschaft gab es verschiedene innere und äußere Ursachen. Die inneren Ursachen bestanden einmal darin, dass die Produktion im Handwerk und in der Landwirtschaft zurückging und der Handel gelähmt wurde. Zum anderen verstärkten sich die Klassenkämpfe der Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen das Römische Reich immer mehr. Keine Maßnahmen der herrschenden Klasse halfen. Die äußeren Ursachen erkennen wir in den erfolgreichen Angriffen der Germanen (Völkerwanderung) auf das Römische Reich und dessen Eroberung.

Zum Nachdenken:

Aufgaben aus dem Geschichtsbuch der DDR:

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR:

Klassenkämpfe im römischen Reich

Vom Widerstand der Bauern und Kolonen

Im 3. Und 4. Jahrhundert verschärfte sich der Klassenkampf. Er erfasste oft zugleich mehrere Provinzen. In den Aufständen übernahmen nicht mehr die Sklaven die Führung, sondern die freien Bauern, die Kolonen und die Landarbeiter.

Die Bauern und Landarbeiter erhoben sich in verschiedenen großen Aufständen, besonders in Gallien, Spanien, Nordafrika, Ägypten, Syrien, Kleinasien und auf dem Balkan. Die Aufständischen in Gallien und Spanien nannten sich Bagauden (=Kämpfer).

Der römische Schriftsteller Salvanisus über die Bagaudenaufstände
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Der römische Schriftsteller Augustinus über die Aufstände in Nordafrika
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Aufgabe
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Angriffe der Germanen

Seit dem 3. Jahrhundert wurden die Grenzen des Reiches immer öfter von Stämmen durchbrochen, die außerhalb des Reiches lebten. Es war die Zeit der Völkerwanderung. Es fielen vor allem germanische Stämme ins Reich ein, um Beutezüge zu unternehmen, aber auch, um Siedlungsland zu gewinnen. Bei den Germanen war inzwischen die Ungleichheit weiter angewachsen. Die Stämme hatten sich zu großen und mächtigen Stammesverbänden vereinigt. Diese besaßen nun auch die militärische Kraft, die römischen Grenzbefestigungen zu durchbrechen.

Germanen auf der Wanderung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Aufgaben
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Das römische Reich, die Aufstände der Bauern, Kolonen und Sklaven und Einfälle germanischer Stämme im 4. und 5. Jahrhundert
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Germanen bestürmen den Limes
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Solche Stammesverbände waren zum Beispiel die der Franken und der Alamannen, der Sachsen und Goten. Da der römische Staat häufig nicht mehr in der Lage war, sie zurückzudrängen, siedelte er sich an den Grenzen, später auch im Inneren des Reiches an. Dort wurden sie dann oft nicht geringer ausgebeutet und unterdrückt als die römischen Bauern, Kolonen und Sklaven. Im Jahre 377/378 kam es daher zu einem gewaltigen Aufstand der Westgoten auf der Balkanhalbinsel, in dessen Verlauf ein römisches Heer vernichtend geschlagen wurde.

Der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus über die Unterdrückung der Westgoten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Es kam in einzelnen Fällen vor, dass sich die eindringenden Stämme mit den unterdrückten Bevölkerungsschichten in den Provinzen verbanden. Bei der Einnahme Roms durch die Westgoten im Jahre 410 öffneten ihnen Sklaven die Stadttore.

Germanische und einheimische Bauern trachteten in ihren Kämpfen gegen das Römische Reich danach, Eigentümer ihrer Felder zu werden. Damit bildeten ihre Kämpfe eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung einer neuen Gesellschaftsordnung.

Das schwere Leben der Bauern, Kolonen und Sklaven im Römischen Reich führte zur Verschärfung des Klassenkampfes (Bagaudenaufstand). Aber Rom wurde auch von außen durch germanische Stämme angegriffen (Völkerwanderung). Das zeigte die zunehmende Schwäche des römischen Sklavenhalterstaates.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

DER SPIEGEL hat eine Erkenntnis

DER SPIEGEL (Nr. 47/19.11.2022) wartet mit einer neuen Erkenntnis auf, allerdings ist diese Erkenntnis nicht neu. Die Germanen waren keine Barbaren, sondern zivilisiert, glaubt DER SPIEGEL als neue Erkenntnis verkünden zu müssen.

Im Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, wird das Leben der Germanen als zivilisiertes Volk beschrieben und dass die Römer sie unterdrücken wollten, aber diese Eroberungsschlacht verloren.

Die Taktik des Arminius, der an der Spitze der Germanen stand, wird  im Geschichtsbuch der DDR erklärt.

Siehe Beitrag: „Die Germanen zu Beginn unserer Zeitrechnung“

Bild entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 47/19.11.2022

Was die Nazis für einen Stuss geschrieben und geklaut haben, sollte doch wirklich nicht mehr erwähnt werden, was DER SPIEGEL aber tut.

Kurzauswertung von Petra Reichel

Original-Texte aus DER SPIEGEL Nr. 47/19.11.2022 und dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Entstehung des Christentums

Das Leben der Sklaven, Bauern, Kolonen und Handwerker im Römischen Reich war immer schwerer geworden: Sie litten unter dem Niedergang der Wirtschaft und zweifelten infolge der Niederlage aller Aufstände daran, jemals ein besseres Leben führen zu können. Sie suchten einen Ausweg aus ihrer Lage.

Das Christentum

In dieser Zeit traten im Römischen Reich Menschen auf, die eine Erlösung aus dem Elend versprachen. Da sie diese Erlösung im Leben nicht für möglich hielten, sollte sie nach dem Tode kommen. Der Glaube daran sollte die Menschen das schlechte Leben vergessen lassen.

  • Im römischen Kaiserreich gab es viele Religionen. Eine trat im Laufe der Zeit besonders hervor: die christliche Religion. Sie entstand im 1. Jahrhundert in Palästina. Im Vergleich mit anderen Religionen war sie leichter verständlich und wandte sich an Freie und Sklaven sowie an alle Völker im Mittelmeerraum. „Da ist kein Unterschied, ob Grieche oder Jude, ob Mann, ob Weib, Sklave oder Freier!“ Es waren vor allem die ärmeren Volksschichten und die Sklaven, besonders Bewohner der Städte, die sich angesprochen fühlten, denn die christliche Religion richtete sich in der ersten Zeit stärker als andere Religionen gegen den Reichtum und gegen den Wucher. In einem Spruch hieß es: ES ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt!

Ihre Anhänger berichteten: Im jüdischen Zimmermannssohn Jesus sei ein Gott in Menschengestalt erschienen. Sie knüpften damit an uralte Vorstellungen an, dass die Erlösung der Menschen von Leid und Unterdrückung durch einen „Chrestos“ (griechisch) erfolgen sollte. Im Lateinischen wurde daraus „Christus“. Christus heißt Auserwählter gottähnlicher Mensch. Die Lehre von einem göttlichen Kinde, das Heil und Segen bringen würde, sowie von einem sterbenden und wiederauferstandenen Gott war im Vorderen Orient seit sehr langer Zeit bekannt.

Alle Menschen, die an Christus glaubten, nannte man Christen. Ihre Lehre wurde in späterer Zeit in Schriften („Neues Testament“, Bibel) gesammelt. Im 1. Jahrhundert bestimmten die christlichen Gemeinden selbst, wie sie ihren Gottesdienst ausüben wollten und wer ihr Vorsteher sein sollte.

Das Christentum als Staatsreligion

  • Aber schon bald verknüpften die Vertreter der christlichen Religion diese Lehre mit der Sklavenhalterordung: Die Christen sollten gehorsam sein und auf Aufstände verzichten und sich widerspruchslos dem Kaiser und seiner Regierung unterordnen.  In der Bibel steht: Jedermann sei untertan der Obrigkeit…Den es gibt keine Obrigkeit ohne von Gott… Das Christentum forderte niemals die Abschaffung der Sklaverei. Die Sklaven sollten Sklaven bleiben und ihren Herren nicht entfliehen. Die Unterdrückung der Armen und die unmenschliche Ausbeutung der Sklaven sollten lediglich gemildert werden.

Die römischen Kaiser schufen sich zur gleichen Zeit eine eigene Religion, einen „Kaiserkult“. Die Christen lehnte den Kaiserkult ab. Es kam zu Zusammenstößen mit der Staatsgewalt und auch zu großen Christenverfolgungen.

Reiche und wohlhabende Römer wurden Christen. Das Vermögen der christlichen Gemeinden stieg. Macht und Ansehen der Bischöfe (das waren die Vorsteher der christlichen Gemeinden) nahmen zu. Sie wollten sich mit dem römischen Staat versöhnen. Die Gedanken des frühen Christentums-sie seien gleichberechtigt und es gelte, gegen die Reichen und den Reichtum zu kämpfen- gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Die Unterordnung unter die Obrigkeit wurde um so stärker verkündet. Die römischen Kaiser erkannten schließlich, dass eine Verbindung mit dem Christentum den Staat stärken könnte.

Kaiser Konstantin / Er erkannte im Jahre 313 das Christentum als gleichberechtigte Religion an und setzte sie für seine Machtpolitik ein.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Christen hatten sich eine festgefügte Organisation, die Kirche, geschaffen. Da die Lehre der Christen nur einen Gott anerkannte, mussten die früher von den Römern verehrten Götter abgeschafft werden. Ihre Tempel wurden oft von den Christen zerstört, und viele Denkmäler der antiken Kunst und viele alte Schriften gingen auf diese Weise verloren.

Katakomben in Rom / DAs waren Höhlengänge unter der Stadt, die die frühen Christen als Begräbnisstätte benutzten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
  • Am Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Christentum zur Staatsreligion erhoben, d.h. alle Römer mussten, ob sie wollten oder nicht, Christen werden.

Die Ausbreitung der christlichen Religion ermöglichte der herrschenden Klasse der untergehenden Sklavenhaltergesellschaft, aber auch späteren Gesellschaftsordnungen, die Religion als wirksames Mittel zur Unterdrückung der ausgebeuteten Klassen einzusetzen.

  • Das Christentum war ursprünglich eine Religion für die Armen und Ausgebeuteten. ES sollte ihnen Trost spenden. Allmählich jedoch sorgten die reichen Christen dafür, dass der römische Staat unterstützt wurde. Die Kaiser erkannten, dass das Christentum, das sich im Reich verbreitet hatte, eine nützliche Religion für sie war. Sie erklärten es deshalb zur Staatsreligion.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Niedergang der römischen Sklavenhaltergesellschaft

Eine Gesellschaftsordnung, die auf Ausbeutung von Sklaven beruht, kann nicht ewig bestehen. Wenn die unterdrückte Klasse sich wehrt und nicht mehr so leben will und die herrschende Klasse keine Möglichkeit mehr hat, ihre Macht aufrechtzuerhalten, kommt es zum Zerfall der Gesellschaftsordnung.

Landwirtschaft und Städte im 3. Und 4. Jahrhundert

Die Veränderungen in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft blieb der wichtigste Wirtschaftszweig des Römischen Reiches. Dort waren die meisten freien und unfreien Bewohner des Reiches tätig. Die vielen Sklaven auf den Latifundien führten den Klassenkampf auf ihre Weise.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

-Die Erträge gingen schon im 1. Jahrhundert v.u.Z. zurück. Deshalb suchten die Sklavenhaltet nach neuen Formen der Ausbeutung.

  • – Sie teilten die großen Ländereien auf. 25 bis 50 ha ließen sich von weniger Sklaven bewirtschaften. Dadurch konnten sie die Sklaven leichter beaufsichtigen.
  • – Sie gaben aus ihrem großen Grundbesitz Land an freigelassene Sklaven und verarmte Römer in Pacht.

-Die Pächter mussten für die Nutzung des Landes einen Pachtzins bezahlen und Abgaben von der Ernte leisten. Sie wurden Kolonen genannt. Diese Wirtschaftsform hieß Kolonat. In der ersten Zeit waren diese Kolonen noch völlig freie Pächter und noch nicht an den Boden oder an den Grundbesitzer gebunden. Sie arbeiteten deshalb besser als die Sklaven.                                                                                            Doch die Besitzer des Landes, die Großgrundbesitzer, wollten noch reicher werden und verlangten ständig höhere Abgaben. Die Kolonen konnten die Pacht nicht mehr bezahlen und verarmten. So wurden sie von den Besitzern immer abhängiger. Im 4. Jahrhundert verbot man ihnen sogar, das Land zu verlassen. Selbst ihre Kinder und Enkel mussten wieder Kolonen werden. Sie wurden zur untersten Schicht der freien Bevölkerung.

Worfeln des Getreides
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Römischer Bauer mit Pflug
Auseiner Beschwerde der Kolonen
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Kolonen bringen Abgaben zum Großgrundbesitzer
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Kolonen beklagten sich mehrfach bei den Kaisern. Aber diese Schreiben halfen nicht viel: Die Großgrundbesitzer wurden mächtiger und reicher, und die Kaiser konnten sich nicht gegen sie durchsetzen. Die Kaiser brauchten die Großgrundbesitzer, da sie ihnen Geld, Nahrungsmittel und Soldaten lieferten.

Die Verarmung der Stadtbevölkerung

— Als der Reichtum und damit die Macht der Großgrundbesitzer wuchsen, wollten sie auch selbst über das Handwerk und den Handel bestimmen. Sie siedelten Handwerker und Händler auf den Gütern an und gaben ihnen die auf ihrem Land hergestellten Produkte zur Verarbeitung und zum Verkauf. Da aber die Erträge auf dem Lande immer niedriger wurden, konnte von den Handwerkern weniger produziert und von den Händlern weniger verkauft werden. So ging auch der Fernhandel zurück.

Die römischen Kaiser waren interessiert, einen Teil der Handwerker in der Stadt zu halten. Sie mussten für die Armee, die Flotte, die römische Verwaltung und für den Kaiserhof arbeiten. Sie durften deshalb die Stadt nicht verlassen.

Laden eines Tuchhändlers
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Messerschmied bei der Arbeit
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Porta Nigra (Schwarzes Tor) in Trier, um 315 entstanden
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Viele städtische Grundbesitzer wurden durch die Politik der Kaiser zugrunde gerichtet. Nur in den Provinzen am östlichen Mittelmeer dienten die Städte weiter als Umschlagplätze im Fernhandel nach Arabien, Indien, Persien und nach Italien.

Das Leben in den Städten wurde unerträglich. Niemand wollte mehr ein städtisches Amt übernehmen, das früher sehr begehrt war, weil es das Ansehen des betreffenden Bürgers hob. Wenn eine Stadt ihre Steuern nicht voll bezahlen konnte, nahm sich die kaiserliche Verwaltung das persönliche Eigentum der Stadträte; manchmal wurden sie auch hingerichtet.

  • Die Wirtschaft in den westlichen Teilen des Römischen Reiches, besonders in Italien, wurde schwächer: Die Kolonen gerieten in immer stärkere Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern. Die Erträge in der Landwirtschaft sanken. Das hatte den Niedergang des Handwerks und des Handels zur Folge. Das Leben in den Städten wurde unerträglich. Der römische Staat wurde geschwächt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR