Die Sklaven in Rom

Die Leistungen der Sklaven in der Wirtschaft

In der Zeit, als die Römer die großen Eroberungskriege führten, waren Sklaven sehr billig. In der Regel wurden die Kriegsgefangenen und andere Bewohner der eroberten Gebiete versklavt. Das geschah zum Beispiel mit 150 000 Menschen im Ergebnis eines Krieges auf der Balkanhalbinsel. Nach der Eroberung von Sardinien kamen 70 000 Menschen auf den römischen Sklavenmarkt. Die Sklavenhalter konnten sie so billig erwerben, dass aus dieser Zeit der Ausspruch stammt: „Billig, wie ein Sarde.“

Die Eroberungskriege bildeten die Hauptquelle der Sklaverei in Rom. Jedoch bestanden weitere Möglichkeiten. Geschäfte mit Sklaven machten die Steuerpächter in den Provinzen. Wer die Steuern nicht zahlen konnte, den verkauften sie in die Schulsklaverei. Außerdem ließen sie sogar Menschen auf offener Straße rauben. Räuberische Stämme an den Grenzen des Römischen Reiches überfielen ihre Nachbarn, nahmen sie gefangen und verkauften sie dann als Sklaven an die römischen Beamten. Seeräuber griffen fremde Schiffe oder Dörfer in Küstengebieten an. Ihre Beute verkauften sie ebenfalls den Römern. Eine kleinere Gruppe waren die im Hause der Sklavenhalter geborenen und aufgewachsenen Sklaven.

 

Auf dem Viehmarkt in Rom, auf dem auch Sklaven verkauft wurden
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Auf dem Sklavenmarkt ließ man die einzelnen Gruppen besonders kennzeichnen: Kriegsgefangene, die von römischen Beamten verkauft wurden, hatten einen Kranz auf. Aus den Provinzen eingetroffenen Sklaven weißte man die Füße mit Kreide oder Gips. Übernahm ein Verkäufer keine Garantie, so wurde dem betreffenden Sklaven ein Hut aufgesetzt.

Den Hauptwirtschaftszweig im Römischen Reich bildete die Landwirtschaft. Der meiste Boden gehörte den Großgrundbesitzern, die auf ihren Gütern höchstens zur Erntezeit freie Arbeitskräfte beschäftigten. Sonst wurden die Arbeiten auf dem Latifundium nur von Sklaven ausgeführt. Bei der hochentwickelten landwirtschaftlichen Produktion waren das die meisten aller in Rom eingesetzten Sklaven. Nur durch ihre Arbeit wurde die Blüte der landwirtschaftlichen Produktion möglich.

Aber auch in anderen Wirtschaftszweigen waren die meisten Arbeitskräfte Sklaven. Allein in den Silbergruben Spaniens arbeiteten 50 000 Sklaven. Bis 200 Meter tief unter der Erde brachen sie unter schwierigen Bedingungen das wertvolle Erz. Im römischen Handwerk bestand über die Hälfte der Arbeitskräfte aus Sklaven. Unter ihnen befanden sich zahlreiche geschickte Handwerker. In den Häusern der Reichen beschäftigte man oft nahezu hundert Sklaven. Sie arbeiteten als Rechnungsführer, Reinigungskräfte, Holzträger, Heizer, Bademeister, Köche, Kellermeister, Servierer, Abwäscher, Einkäufer, Boten, Stallmeister. Lehrer, Schauspieler, Vorleser und Bibliothekare.

Einen Teil der Kriegsgefangenen verkaufte der römische Staat nicht. Diese Sklaven mussten beim Bau von Straßen, Brücken, Wasserleitungen und Tempeln arbeiten. Sie waren die eigentlichen Erbauer der Marmorstadt, auf welche die reichen Sklavenhalter voller Stolz sahen.

Von den 1 500 000 Einwohnern Roms sollen 900 000 Sklaven gewesen sein. So bildete die Arbeit der Sklaven im Römischen Reich die wichtigste Grundlage der Wirtschaft. Die Sklaverei fand hier ihre größte Verbreitung.

Das Leben der Sklaven und Sklavenhalter

Körperliche Arbeit galt unter den wohlhabenden Bürgern als unehrenhaft. Man übertrug fast alle Arbeiten den Sklaven. Deren Lage war völlig rechtlos. Ein Besitzer konnte seinen Sklaven verkaufen, quälen und sogar töten. Er konnte ihn bei Krankheit oder fortgeschrittenem Alter verstoßen, ihn also dem Hungertode preisgeben. Kein Gericht hätte ihn dafür bestraft. Bei einem römischen Schriftsteller findet sich folgende Einteilung der Werkzeuge:                                                             Stumme Werkzeuge waren Arbeitsgräte, halbstumme das Vieh und sprechende die Sklaven. Und wie die Werkzeuge, oft sogar schlimmer als das Vieh, wurden Sklaven behandelt.

Die Sklaven arbeiteten meistens in Ketten, waren häufig gebrandmarkt oder am Kopf halb geschoren. Auf einem metallenen Halsband stand der Name des Herrn. Sie selbst besaßen keinen Familiennamen und durften nie ungefragt sprechen.

Halsband eines Sklaven
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Auf dem Lande wohnten die meisten Sklaven in Kellern.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Bei schlechter Verpflegung mussten die Sklaven von früh bis spät arbeiten. Man schonte sie nicht, denn sie kosteten wenig Geld. Wer bis zu Erschöpfung arbeitete, so meinten sie Sklavenhalter, der machte sich keine Gedanken über sein Leben. Am schwersten erging es den Sklaven auf den Latifundien und in den Bergwerken. Aufseher trieben sei ständig zur Arbeit an und gebrauchten dabei die Peitsche.

Aber auch die Stadtsklaven hatten kein leichtes Los. Sie waren stets den Launen des Herrn oder der Herrin ausgesetzt. Oft wurden sie ohne Grund misshandelt.

 

 

Auf einem römischen Latifundium

Die Sklaven arbeiteten in einer Reihe. Sie schwiegen und bückten sich. Alle Kraft, die in ihren schmerzenden Körpern war, brauchten sie, um im geforderten Tempo mit der Hacke den Boden aufzulockern.

Sklavenarbeit auf einem Latifundium
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Sieben Stunden arbeiteten sie heute schon. Soeben begannen sie auf einem neuen Feld. Ihre Gesichter waren stumpf und müde. Noch weitere sieben Stunden Arbeit! Beim Aufbrüllen des Sklavenaufsehers zuckten alle zusammen. Wen wird der Peitschenschlag treffen? Wer war in der Reihe ein wenig zurückgeblieben? Wem war die Harke aus den schwieligen Händen gerutscht? Die Peitsche klatschte auf dem Rücken des Galliers. Kaum wagte einer, den Kopf zu ihm zu drehen. Im Sklavenkeller hatten all in der Nacht sein leises Stöhnen gehört. Unruhig hatte er sich auf dem schmutzigen Stroh gewälzt. Sein einziger Gedanke war: „Nur nicht krank werden! Von den Schmerzen im Rücken darf der Aufseher nichts erfahren.“ Die jetzt die Reihe neben ihm arbeiteten, hatten ihn am Morgen angesehen.  „Wirst du es schaffen?“ schienen ihre Augen zu fragen. Alle Sklaven auf dem Latifundium wussten, was geschah, wenn einer krank wurde. Reichte die Brotzuteilung schon so nicht, um satt zu werden, konnte der bittere, mit Wasser verdünnte Wein den Durst nicht stillen, ein kranker Sklave bekam nur die Hälfte des Brotes und des Weins. Bei einer solchen Verpflegung ließen die Kräfte ganz nach. Und ein grauhaariger, abgemagerter Sklave wurde behandelt, wie abgenutztes, unbrauchbares Werkzeug. Ein solches Werkzeug wurde weggeworfen, ein solcher Sklave davongejagt. Er starb an Krankheit oder vor Hunger. Sollte dies das Schicksal des Galliers sein? Er hatte gegen die Römer gekämpft, als sie seine Heimat besetzten. Seine Familie hatte er schützen wollen. Dabei fingen ihn die Römer, auf dem Sklavenmarkt kaufte ihn der Latifundienbesitzer. Mit über hundert Sklaven trat er den langen Marsch zum Latifundium an. Aneinandergekettet, von Bluthunden umkreist und von Wächtern verprügelt, kamen sie an. In drei Jahren wurde der Gallier unter der heißen Sonne, der nicht endenden Arbeit und den Schlägen der Aufseher ein alter Mann. Er konnte nicht stolz sein auf den herrlichen römischen Wein, der aus den Reben entstand, die er gepflückt hatte. Er bewunderte nicht das Öl der Oliven, die er gepflegt hatte. Der Gallier hasste die Arbeit auf den Olivenfeldern und in den Weinbergen. Am meisten hasste er den, der das Latifundium besaß und dem er gehörte, den reichen Sklavenhalter.

 

Vom Leben der Sklavenhalter

Die Sklaven lebten in Kellerräumen oder Hütten. Die Häuser reicher Sklavenhalter waren Paläste mit großen, hohen Räumen. Oft schmückten sie Mosaikfußböden und kostbare Wandgemälde. Zu ihnen gehörten prunkvolle Baderäume, oft sogar mit Zentralheizung. Dabei erwärmte die hieße Luft von unten den Fußboden. So spürten die Sklavenhalterfamilien weder etwas von der Asche noch vom Rauch. Zum Palast gehörte meistens ein großer Garten mit Springbrunnen und zahlreichen Statuen.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

Wenig Brot, Wein aus Traubenabfällen, unverkäufliches Obst und billigen Fisch sollten die Sklaven bekommen. Diesen Rat gab ein Großgrundbesitzer den Sklavenhaltern. Was aber aß er selbst? In das große Haus kamen oft Gäste. Über ihr Essen gibt es Berichte. Es dauerte oft mehrere Stunden. Zu den Speisen, die auf den Tisch kamen, gehörten gebratene Hühner, Taubenbrüste, auch gebratene Nachtigallen. Bei einem großen Essen sollen einmal 7 000 Singvögel zubereitet worden sein. Auch seltene Fische und Leckerbissen aus fernen Ländern gehörten oft zu einem Festmahl. Jeder Esser hatte einen Sklaven zur Seite, der ihm die Speisen auflegte, selbst aber keinen Bissen zu sich nehmen durfte.

Die Gladiatoren

Eine besondere Gruppe  von Sklaven bildeten die Gladiatoren. Dazu machte man die stärksten und mutigsten kriegsgefangenen. Sie mussten zur Unterhaltung der freien Römer gegeneinander kämpfen. Die Gladiatorenkämpfe nahmen in Rom im 1. Jahrhundert v.u.Z. zu. Sie hatten den gleichen Zweck wie die kostenlose Ausgabe von Getreide, Öl, Wein und Geld. Sie sollten die Armen vom Kampf um ein menschenwürdiges Dasein abhalten. Wer daran gewöhnt wurde, mit Freude Menschen sterben zu sehen, konnte schließlich auch als Soldat die größten Gräueltaten verrichten.

Die Gladiatoren wurden in besonderen Schulen auf den Kampf vorbereitet. Sie erhielten nahrhafte Kost. Ihre Ausbildung war hart und grausam. Fesseln in Eisenketten, Brennen mit glühendem Eisen und Schläge waren Strafen für geringste Vergehen. Jeder Gladiator wurde in einer bestimmten Kampfart ausgebildet. Im 1. Jahrhundert v.u.Z. war ein römisches Fest ohne die blutigen Kampfspiele und den Tod der unterlegenen Kämpfer denkbar.

Gladiatorenkampf
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 5. Klasse, Stand 1982

In der Arena kämpften immer Gladiatoren mit verschiedener Bewaffnung gegeneinander.  Ein Teil kämpfte in Rüstungen. Andere hatten nur einen Dreizack und ein Fangnetz. Kämpfer mit großen Schilden und kleinen Dolchen hatten Gegner mit langen Schwertern und kleinen Schilden. Blieb der im Kampf Unterlegene noch am Leben, dann entschieden die Zuschauer über sein Schicksal. Schwenkten sie die Tücher, so wurde ihm das Leben geschenkt, richteten sie die Daumen nach unten, so bedeutete das für ihn den Tod. Die Hinrichtung unterlegener, nicht begnadigter oder schwerverwundeter Gladiatoren besorgten die Aufseher.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR