Die frühmittelalterliche Kultur in West- und Mitteleuropa

Die mittelalterlichen Klöster und ihre Bedeutung

Die antike Kultur war zusammen mit dem Untergang des Römischen Reiches allmählich verfallen. Im Frankenreich bestimmten die Klöster Bildung und Kunst. Sie waren Wohn-, Gebets- und Arbeitsstätten christlicher Mönche oder Nonnen. Die Mönche schrieben Berichte über politische Ereignisse und übersetzten Schriften aus früheren Zeiten sowie Teile der Bibel. Sie trugen zur Verbreitung neuer Produktionsmethoden, besonders im Feld- und Gartenbau, bei. Auch sonst wurde die frühmittelalterliche Kultur (6. Bis Anfang 11. Jahrhundert) durch die Kirche bestimmt. Die Maler stellten auf ihren Bildern Erzählungen aus der Bibel oder das Leben von Heiligen dar. Besonders kunstvoll gestalteten Künstler Kirchentüren, kirchliche Geräte und Bucheinbände.

Die größten Leistungen vollbrachte die Kirche jedoch auf dem Gebiet der Bildung.

 

Die Klosterschule
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Seit Mitte des 8. Jahrhunderts, besonders unter Karl dem Großen, wurden an Bischofssitzen und in zahlreichen Klöstern Schulen errichtet. Hier bildete man Geistliche aus, die die Bevölkerung zu beeinflussen hatten. Vor allem Söhne von Feudalherren besuchten diese Klosterschulen, zum Beispiel in Fulda und in St. Gallen (Schweiz).

Kloster St. Gallen

Zu dem Kloster gehörten u.a. eine Klosterkirche, eine Bibliothek und eine Schreibstube, eine Schule für Geistliche, die Bäckerei und Brauerei der Mönche, eine Mühle, ein Haus für vornehme Gäste, ein Hospital, eine Apotheke, dazu ein Heilkräutergarten, eine Gärtnerei, Ställe für das Vieh, Scheunen, weiterhin eine Herberge und ein Armenhaus.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Ein Geistlicher im 11. Jahrhundert an König Heinrich III

„Erlass einen Befehl durch ganz Deutschland, dass die Reichen ihre sämtlichen Söhne in den Wissenschaften unterrichten lassen und sie im Gesetze unterweisen, damit, wenn die Fürsten tagen wollen, jeder aus seinen Büchern ihnen ein Beispiel vorlegen könne…In Italien übergibt man die ganze Jugend den Schulen. Nur den Deutschen scheint es unnütz und schimpflich, dass Leute, die nicht Kleriker werden sollen, gelehrt werden. Aber du, gelehrter König befiehl, dass alle in den Landen gelehrt werden, auf dass allenthalben die Weisheit mit dir gemeinsam regiere.“

 

Hrabanus Maurus, ehemals Mönch und Abt in Fulda, übereicht in Begleitung des bedeutendsten Lehrers und Akademikers am Hof Karls des Großen, Alkuin, dem thronenden Erzbischof in Mainz ein Buch
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Schon Karl der Große hatte berühmte Gelehrte an seinem Hof versammelt. Sie waren an Klosterschulen ausgebildet worden und bildeten zusammen mit Angehörigen der königlichen Familie die „Hofakademie“. Sie verfassten Lehrbücher.

Nur ein kleiner Kreis von Menschen war im Frühmittelalter gebildet. Die Bauern, Handwerker, Händler sowie auch viele Feudalherren blieben ohne Bildung. Deshalb waren die meisten Menschen abergläubisch. Sie glaubten an Wunder. Das nutzte die Kirche aus. Die Priester schrieben den „Reliquien“, die sie in Kirchen aufbewahrten, besondere Kräfte zu. Den Menschen wurde eingeredet, dass sie durch diese „Reliquien!“ geschützt würden. Zum „Dank“ machten viele Bauern, Handwerker, Händler und auch weltliche Feudalherren der Kirche Geschenke.

Baukunst und Literatur

Auch die Baukunst des 6. Bis 11. Jahrhunderts wurde von der Kirche geprägt. ES wurden Kirchen, Burgen und Kaiserpfalzen in zunehmenden Maße aus Stein errichtet. Vorherrschend war der romanische Stil:

Er war vor allem durch Rundbogen an Fenstern und Portalen sowie durch zahlreiche Türme gekennzeichnet. Eines der bedeutendsten frühromanischen Bauwerke in Deutschland ist die Stiftskirche in Gernrode (Harz). Sie wurde zwischen 961 und 980 erbaut. Der Bau dauerte fast zwanzig Jahre. Große, roh behauene Steinquadern fügen sich zu den hohen Außenmauern zusammen. Ursprünglich waren es ungleiche Bruchsteine gewesen, erst bei der Restaurierung im 19. Jahrhundert wurden sie durch Steinquadern ersetzt. Einfache Fenster im romanischen Stil (Rundbogenfenster) lassen nur wenig Licht in die Innenräume. Das Äußere der Kirche ist schmucklos, und die beiden Türen an den Flanken des Nordportals geben dem ganzen Bau einen wehrhaften Charakter.

All diese gewaltigen Bauten bezeugen die hohen künstlerischen Fähigkeiten der Handwerker dieser Zeit.

 

Innenansicht der Stiftskirche Gernrode
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Stiftskirche Gernrode
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Im frühen Mittelalter sprachen die Gelehrten lateinisch. Eine einheitliche deutsche Sprache war noch nicht vorhanden. Es gab verschiedenen Mundarten

Die „Merseburger Zaubersprüche“ sind das älteste uns erhaltene Sprachdenkmal. Es stammt aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Der erste dieser „Zaubersprüche“, die im 9. Jahrhundert aufgezeichnet und rund 1 000 Jahre später in der Merseburger Dombibliothek entdeckt wurden, sollte die Befreiung von Gefangenen bewirken, der zweite sollte die Beinverrenkung eines Pferdes heilen.

 

Merseburger Zaubersprüche (Original)
Merseburger Zaubersprüche (Klartext)
Bilder entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Im 6. Bis 8. Jahrhundert entstanden Heldenlieder, die noch nicht vom Christentum beeinflusst waren. Sie waren in der Volkssprache verfasst und wurden von Hofdichtern an den Sitzen von Königen und Feudalherren vorgetragen. Auf diese Weise wurden sie über Generationen hinweg mündlich überliefert (z.B. das Hildebrandislied). Im 8. Und 9. Jahrhundert benutzten auch Geistliche die Volkssprache. Sie hatten eingesehen, dass es mit der lateinischen Sprache allein schwer war, den Volksmassen den christlichen Glauben zu erläutern

Ein Beispiel dafür war der „Heliand“ (9. Jahrhundert). In diesem Werk tritt Christus in der Rolle eines Herzogs auf. Seine Jünger sind als seine Gefolgschaft dargestellt. Der „Heliand“ war dazu bestimmt, den Volksmassen in Sachsen den christlichen Glauben näherzubringen.

Als sich gegen Ende des 9. Jahrhunderts das Christentum zwischen Rhein und Elbe/Saale endgültig durchgesetzt hatte, versiegte die volkssprachige Dichtung im Dienste des Christentums. Die „deutsche Sprache“ (Volkssprache) entwickelte sich jedoch auch im 10. Und 11. Jahrhundert im mündlichen Verkehr weiter. Beim Volke waren damals Spielleute sehr beliebt, die Märchen, Abenteuer- und Spottgeschichten in gereimten Versen vortrugen und die alten Heldenlieder lebendig erhielten. Zur Weiterentwicklung der Volkssprache aber trugen vor allem die deutschen Übersetzungen biblischer Texte, antiker Philosophen und römischer Dichter bei, die in den großen Klosterschulen angefertigt wurden.

 

Pfalzkapelle des Aachener Münsters
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Zentren der mittelalterlichen Kultur waren vor allem die Klöster. Von der feudalen Ausbeutung der Bauern und von Schenkungen der Feudalherren lebend, konnten gebildete Mönche und Nonnen kulturelle Leistungen vollbringen. In den Klosterschulen lernte ein kleiner Teil der Feudalherren das Lesen und Schreiben. Handwerker und Bauleute schufen bedeutende Bauwerke im romanischen Stil.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Aufgaben:

  1. In welchem Zeitraum vollzog sich in West- und Mitteleuropa der allmähliche Übergang zum Feudalismus?
  2. Wie entstanden die Klasse der Feudalherren und die Klasse der Feudalbauern? Durch welche Merkmale sind sie gekennzeichnet? Vergleiche mit Sklavenhaltern und Sklaven!
  3. Welche Bedeutung hatten die Grundherrschaft, der Fronhof und die Dreifelderwirtschaft für die Wirtschaft im Feudalismus?
  4. Durch welche Maßnahmen konnten Heinrich I. und Otto I. einen starken deutschen Feudalstaat schaffen? Zeige seine Entwicklung! Werte die Feldzüge gegen die Slawen!
  5. Welche Formen des Kampfes nutzten die Feudalbauern, um sich der Ausbeutung und Unterdrückung zu widersetzen?
  6. Warum wirkten weltliche und geistliche Feudalherren bei der Feudalisierung der Bauern und bei der Unterdrückung der Slawen zusammen?
  7. Inwiefern war der Feudalismus als Gesellschaftsordnung im Vergleich zur Sklavenhaltergesellschaft ein Fortschritt?

Noch zwei Aufgaben

  1. Warum war die frühmittelalterliche Kultur im Wesentlichen von der Kirche bestimmt?
  2. Wie beurteilst Du die Leistungen der gebildeten Mönche und Nonnen, der Maler, Baumeister und Volksdichter dieser Zeit?

 

Aufgaben aus dem Geschichtsbuch der DDR (Stand 1982) für die 6. Klasse entnommen.

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Entstehung des Christentums

Das Leben der Sklaven, Bauern, Kolonen und Handwerker im Römischen Reich war immer schwerer geworden: Sie litten unter dem Niedergang der Wirtschaft und zweifelten infolge der Niederlage aller Aufstände daran, jemals ein besseres Leben führen zu können. Sie suchten einen Ausweg aus ihrer Lage.

Das Christentum

In dieser Zeit traten im Römischen Reich Menschen auf, die eine Erlösung aus dem Elend versprachen. Da sie diese Erlösung im Leben nicht für möglich hielten, sollte sie nach dem Tode kommen. Der Glaube daran sollte die Menschen das schlechte Leben vergessen lassen.

  • Im römischen Kaiserreich gab es viele Religionen. Eine trat im Laufe der Zeit besonders hervor: die christliche Religion. Sie entstand im 1. Jahrhundert in Palästina. Im Vergleich mit anderen Religionen war sie leichter verständlich und wandte sich an Freie und Sklaven sowie an alle Völker im Mittelmeerraum. „Da ist kein Unterschied, ob Grieche oder Jude, ob Mann, ob Weib, Sklave oder Freier!“ Es waren vor allem die ärmeren Volksschichten und die Sklaven, besonders Bewohner der Städte, die sich angesprochen fühlten, denn die christliche Religion richtete sich in der ersten Zeit stärker als andere Religionen gegen den Reichtum und gegen den Wucher. In einem Spruch hieß es: ES ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt!

Ihre Anhänger berichteten: Im jüdischen Zimmermannssohn Jesus sei ein Gott in Menschengestalt erschienen. Sie knüpften damit an uralte Vorstellungen an, dass die Erlösung der Menschen von Leid und Unterdrückung durch einen „Chrestos“ (griechisch) erfolgen sollte. Im Lateinischen wurde daraus „Christus“. Christus heißt Auserwählter gottähnlicher Mensch. Die Lehre von einem göttlichen Kinde, das Heil und Segen bringen würde, sowie von einem sterbenden und wiederauferstandenen Gott war im Vorderen Orient seit sehr langer Zeit bekannt.

Alle Menschen, die an Christus glaubten, nannte man Christen. Ihre Lehre wurde in späterer Zeit in Schriften („Neues Testament“, Bibel) gesammelt. Im 1. Jahrhundert bestimmten die christlichen Gemeinden selbst, wie sie ihren Gottesdienst ausüben wollten und wer ihr Vorsteher sein sollte.

Das Christentum als Staatsreligion

  • Aber schon bald verknüpften die Vertreter der christlichen Religion diese Lehre mit der Sklavenhalterordung: Die Christen sollten gehorsam sein und auf Aufstände verzichten und sich widerspruchslos dem Kaiser und seiner Regierung unterordnen.  In der Bibel steht: Jedermann sei untertan der Obrigkeit…Den es gibt keine Obrigkeit ohne von Gott… Das Christentum forderte niemals die Abschaffung der Sklaverei. Die Sklaven sollten Sklaven bleiben und ihren Herren nicht entfliehen. Die Unterdrückung der Armen und die unmenschliche Ausbeutung der Sklaven sollten lediglich gemildert werden.

Die römischen Kaiser schufen sich zur gleichen Zeit eine eigene Religion, einen „Kaiserkult“. Die Christen lehnte den Kaiserkult ab. Es kam zu Zusammenstößen mit der Staatsgewalt und auch zu großen Christenverfolgungen.

Reiche und wohlhabende Römer wurden Christen. Das Vermögen der christlichen Gemeinden stieg. Macht und Ansehen der Bischöfe (das waren die Vorsteher der christlichen Gemeinden) nahmen zu. Sie wollten sich mit dem römischen Staat versöhnen. Die Gedanken des frühen Christentums-sie seien gleichberechtigt und es gelte, gegen die Reichen und den Reichtum zu kämpfen- gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Die Unterordnung unter die Obrigkeit wurde um so stärker verkündet. Die römischen Kaiser erkannten schließlich, dass eine Verbindung mit dem Christentum den Staat stärken könnte.

Kaiser Konstantin / Er erkannte im Jahre 313 das Christentum als gleichberechtigte Religion an und setzte sie für seine Machtpolitik ein.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Die Christen hatten sich eine festgefügte Organisation, die Kirche, geschaffen. Da die Lehre der Christen nur einen Gott anerkannte, mussten die früher von den Römern verehrten Götter abgeschafft werden. Ihre Tempel wurden oft von den Christen zerstört, und viele Denkmäler der antiken Kunst und viele alte Schriften gingen auf diese Weise verloren.

Katakomben in Rom / DAs waren Höhlengänge unter der Stadt, die die frühen Christen als Begräbnisstätte benutzten
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
  • Am Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Christentum zur Staatsreligion erhoben, d.h. alle Römer mussten, ob sie wollten oder nicht, Christen werden.

Die Ausbreitung der christlichen Religion ermöglichte der herrschenden Klasse der untergehenden Sklavenhaltergesellschaft, aber auch späteren Gesellschaftsordnungen, die Religion als wirksames Mittel zur Unterdrückung der ausgebeuteten Klassen einzusetzen.

  • Das Christentum war ursprünglich eine Religion für die Armen und Ausgebeuteten. ES sollte ihnen Trost spenden. Allmählich jedoch sorgten die reichen Christen dafür, dass der römische Staat unterstützt wurde. Die Kaiser erkannten, dass das Christentum, das sich im Reich verbreitet hatte, eine nützliche Religion für sie war. Sie erklärten es deshalb zur Staatsreligion.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR