Byzanz am Ende der Sklavenhalterordnung

Byzanz und seine Wirtschaft

Der römische Kaiser Konstantin hatte im Jahre 330 die alte griechische Stadt Byzanz am Bosporus zur Hauptstadt seines Reiches gemacht und ihr den Namen Konstantinopel (=Konstantinstadt), heute Istanbul) gegeben. Nach dem alten Namen der Hauptstadt wurde der Staat später Byzantinisches Reich oder einfach Byzanz genannt. Er war einer der wichtigsten Staaten des Mittelalters.

In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens war das Byzantinische Reich noch ein Sklavenhalterstaat. Während aber im Weströmischen Reich die landwirtschaftliche Produktion zurückging und die städtische Bevölkerung verarmte, hatte das Byzantinische Reich in dieser Zeit eine leistungsfähige Wirtschaft. Besonders der Weinbau brachte hohe Erträge. Die Städte Konstantinopel, Alexandria und Antiochia waren Mittelpunkte von Handel und Gewerbe.

 

Landwirtschaftliche Arbeiten in Byzanz, 11. Jahrhundert
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Byzantinische Kaufleute führten aus dem Orient, aus Indien, China und aus Afrika Gewürze, Seide, Baumwolle, Edelsteine und Elfenbein ein. Vieles davon verarbeiteten fleißige Handwerker zu kostbaren Stoffen (Goldbrokat), Schmuck und Glasgeschirr. Von den Chinesen lernten sie die Seidenherstellung. Mit solchen Luxuswaren belieferte Byzanz Angehörige der herrschenden Klassen in ganz Europa.

Byzantinischer Seidenstoff
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Taubenmosaik aus der Kirche von Ravenna, 545
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Eines Tages erschienen bei Kaiser Justinian I. (527 bis 565) zwei Mönche. Sie erklärten, dass sie in Mittelasien die Kunst der Seidenerzeugung kennengelernt hätten. Sie erzählten dem zweifelnden Kaiser, dass kleine Raupen Erzeuger der Seide seien. Es sei zwar unmöglich, diese Raupen selbst zu beschaffen, wohl aber die Eier. Bei entsprechenden Temperaturen würden dann die Raupen schlüpfen. Vom Kaiser aufgefordert, ihre Worte mit Taten zu belegen, machten sich die Mönche erneut auf den Weg nach China. Sie brachten nach einigen Jahren tatsächlich die versprochenen Gelege. Es wird berichtet, dass sie die Eier in hohlen Pilgerstäben verborgen durch die Grenzkontrollen geschmuggelt hätten.

Die byzantinische Seidenproduktion wurde bald ein wichtiger Produktionszweig. Die besten Seidenstoffe wurden in Werkstätten des Kaisers erzeugt.

Das Byzantinische Reich 526
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Versuche zur Festigung der Sklavenhaltergesellschaft

Mit der Stärkung der Wirtschaft seines Reiches verfolgte Kaiser Jusitinian einen ganz besonderen Zweck. Er und die herrschende Klasse der Sklavenhalter in Byzanz fanden sich nicht damit ab, dass Rom und das Weströmische Reich in die Hand von Barbarenvölkern gefallen waren. Gestützt auf eine starke Wirtschaft, versuchten sie, das alte Römische Reich wiederherzustellen. Dazu brauchten sie ein großes Heer. Um die Geldmittel dafür aufzubringen, dachten sie sich ständig neue Steuern aus, die vor allem die Kolonen, aber auch die Städter zahlen mussten. Als sich die Bevölkerung der Hauptstadt 532 gegen diese Belastungen erhob, überfielen kaiserliche Truppen die versammelte Volksmenge und richteten ein furchtbares Blutbad an. Auch durch Gesetze versuchte der Kaiser die Sklavenhalterordnung zu festigen.

 

Kaiser Justinian mit Gefolge um 545
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Das farbige Mosaik „Kaiser Justinian mit Gefolge“ stammt aus der Kirche San Vitale in der Stadt Ravenna, die nach der Wiedereroberung zum Mittelpunkt der byzantinischen Herrschaft in Italien wurde. Es zeigt den Kaiser Justinian mit seinem Gefolge bei einer kirchlichen Feier, rechts von ihm ein Bischof mit zwei Helfern, links von ihm und hinter ihm Hofbeamte und ganz außen seine Leibgarde. Auf dem Kopf trägt der Kaiser ein goldenes, edelsteinbesetztes Diadem mit Perlengehängen an den Ohren. Sein Seidenmantel ist purpurgefärbt ebenso wie seine Schuhe. Nur der Kaiser und seine Familie durften solche roten Schuhe tragen. Der Kopf des Kaisers ist von einem Heiligenschein umgeben, der seine Gottähnlichkeit zeigen soll. Die byzantinischen Kaiser verstanden es besser als die Herrscher des Westens, die christliche Kirche in den Dienst ihrer Politik zu stellen.

Angriffe auf Byzanz

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts eroberten die Perser und anschließend die Araber Syrien und Ägypten. Gleichzeitig durchbrachen slawische Volksstämme die nur schwach befestigte Nordgrenze von Byzanz. Sie besiedelten nach und nach die ganze Balkanhalbinsel. Dabei zerstörten sie den großen Grundbesitz und begannen das eroberte Land zu bestellen. Allmählich verschmolzen sie mit der einheimischen Landbevölkerung zu freien Dorfgemeinschaften. Auf einem Teil der Balkanhalbinsel entstand das Erste Bulgarische Reich. Die Slawen gelangten auf ihren Zügen bis vor die Mauern der Hauptstadt Konstantinopel, konnten sie jedoch nicht einnehmen. Noch gefährlicher waren die Angriffe der Araber gegen Konstantinopel am Ende des 7. Jahrhunderts, weil sie über eine große Flotte verfügten. Doch auch sie hatten keinen Erfolg.

 

Angriff der Türken auf Konstantinopel, 1453

Das Bild zeigt, wie schwierig es war, die Stadt zu erobern. Ihr Grundriss ähnelte einem Dreieck. Zwei Seiten waren von Meer umgeben. Die Landseite wurde von einer doppelten Mauer mit großen Türmen geschützt.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Griechisches Feuer

In den Seeschlachten vor Konstantinopel gegen die Araber wurde das erste Mal das berühmte griechische Feuer verwendet. Es bestand aus Schwefel, Salpeter und Erdöl. Mit Hilfe besonderer Geräte wurde diese sich selbst entzündende Mischung aus großer Entfernung gegen die feindlichen Schiffe geschleudert. Sie verursachte sofort einen starken Brand. Ihr Erfinder hatte diese wirksame Waffe zuerst den Arabern angeboten, die aber ihre Bedeutung nicht erkannten. So gelangte sie in die Hände der Byzantiner und wurde zu einer gefürchteten Waffe.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Byzanz mit der Hauptstadt Konstantinopel war ein großes Reich, in dem anfangs noch die Sklavenhalterordnung herrschte. Die Wirtschaft und der Handel blühten. Die Kaiser des Byzantinischen Reiches versuchten, das alte römische Reich wiederherzustellen. Das gelang nicht. Angriffe der Perser, Slawen und Araber brachten das Reich an den Rand des Untergangs. Der Großgrundbesitz wurde durch freie Dorfgemeinschaften ersetzt.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Aufgaben: entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse

Erkläre, wie das griechische Feuer angewendet werden konnte! Überlege welche Wirkung es hatte!

  1. Erkläre, welche Gesellschaftsordnung in Byzanz noch herrschte und welche Anstrengungen die Kaiser unternahmen, um sie zu erhalten!
  2. Welche Ergebnisse hatten die Kämpfe, die gegen Byzanz geführt wurden? Was veränderte sich auf dem Lande?

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Entstehung des Feudalismus in West- und Mitteleuropa

Der Feudalismus entwickelte sich in einem langwierigen und komplizierten Prozess in vielen Gebieten der Erde

In Westeuropa lebten die germanischen Stämme der Franken, bei denen sich die Urgesellschaft noch nicht völlig aufgelöst hatte. Bei ihren Eroberungen trafen sie auf Völker, die in der Sklavenhalterordnung lebten.

Mit der Herausbildung des Feudalismus in diesem Gebiet begann die Geschichte des deutschen Volkes und Staates.

Beachte:

  • Beachte, wie die Ungleichheit bei den Franken zunahm, wie die Bauern abhängig wurden und wie die herrschende Klasse einen neuen Staat schuf!
  • Beachte besonders, worin der Fortschritt in der neuen Gesellschaftsordnung bestand!

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Entstehung des Feudalismus in Byzanz und im arabischen Kalifat

Nicht nur in West- Und Mitteleuropa entstand der Feudalismus. Auch in Byzanz, im Nahen Osten und in Nordafrika geschah dies

Auf dem Gebiet von Byzanz befinden sich heute mehrere Staaten, darunter Griechenland und die Türkei

Auch bei den slawischen Völkern, die vorübergehend sozialistische Länder waren, entwickelte sich der Feudalismus. So gab es den mächtigen Feudalstaat der Kiewer Rus und weitere Feudalstaaten auf dem Gebiet des heutigen Polen und von Tschechien und der Slowakei. Noch viel früher hatte sich der Feudalismus in China und Indien durchgesetzt.

  • Beachte, dass die Herausbildung des Feudalismus ein welthistorischer Prozess gewesen ist, eine Entwicklung, die sich in der Geschichte vieler Völker in allen Teilen der Erde vollzog!
  • Beachte weiterhin, dass der Feudalismus bei den verschiedenen Völkern viele gleiche Merkmale, aber auch Unterschiede hatte!
  • Du wirst erfahren, dass die Völker, über die berichtet wird, in dieser Zeit weiterentwickelt waren als die Völker West- und Mitteleuropas, und dass sie einen sehr großen Beitrag zur Weltkultur leisteten.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die frühmittelalterliche Kultur in West- und Mitteleuropa

Die mittelalterlichen Klöster und ihre Bedeutung

Die antike Kultur war zusammen mit dem Untergang des Römischen Reiches allmählich verfallen. Im Frankenreich bestimmten die Klöster Bildung und Kunst. Sie waren Wohn-, Gebets- und Arbeitsstätten christlicher Mönche oder Nonnen. Die Mönche schrieben Berichte über politische Ereignisse und übersetzten Schriften aus früheren Zeiten sowie Teile der Bibel. Sie trugen zur Verbreitung neuer Produktionsmethoden, besonders im Feld- und Gartenbau, bei. Auch sonst wurde die frühmittelalterliche Kultur (6. Bis Anfang 11. Jahrhundert) durch die Kirche bestimmt. Die Maler stellten auf ihren Bildern Erzählungen aus der Bibel oder das Leben von Heiligen dar. Besonders kunstvoll gestalteten Künstler Kirchentüren, kirchliche Geräte und Bucheinbände.

Die größten Leistungen vollbrachte die Kirche jedoch auf dem Gebiet der Bildung.

 

Die Klosterschule
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Seit Mitte des 8. Jahrhunderts, besonders unter Karl dem Großen, wurden an Bischofssitzen und in zahlreichen Klöstern Schulen errichtet. Hier bildete man Geistliche aus, die die Bevölkerung zu beeinflussen hatten. Vor allem Söhne von Feudalherren besuchten diese Klosterschulen, zum Beispiel in Fulda und in St. Gallen (Schweiz).

Kloster St. Gallen

Zu dem Kloster gehörten u.a. eine Klosterkirche, eine Bibliothek und eine Schreibstube, eine Schule für Geistliche, die Bäckerei und Brauerei der Mönche, eine Mühle, ein Haus für vornehme Gäste, ein Hospital, eine Apotheke, dazu ein Heilkräutergarten, eine Gärtnerei, Ställe für das Vieh, Scheunen, weiterhin eine Herberge und ein Armenhaus.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Ein Geistlicher im 11. Jahrhundert an König Heinrich III

„Erlass einen Befehl durch ganz Deutschland, dass die Reichen ihre sämtlichen Söhne in den Wissenschaften unterrichten lassen und sie im Gesetze unterweisen, damit, wenn die Fürsten tagen wollen, jeder aus seinen Büchern ihnen ein Beispiel vorlegen könne…In Italien übergibt man die ganze Jugend den Schulen. Nur den Deutschen scheint es unnütz und schimpflich, dass Leute, die nicht Kleriker werden sollen, gelehrt werden. Aber du, gelehrter König befiehl, dass alle in den Landen gelehrt werden, auf dass allenthalben die Weisheit mit dir gemeinsam regiere.“

 

Hrabanus Maurus, ehemals Mönch und Abt in Fulda, übereicht in Begleitung des bedeutendsten Lehrers und Akademikers am Hof Karls des Großen, Alkuin, dem thronenden Erzbischof in Mainz ein Buch
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Schon Karl der Große hatte berühmte Gelehrte an seinem Hof versammelt. Sie waren an Klosterschulen ausgebildet worden und bildeten zusammen mit Angehörigen der königlichen Familie die „Hofakademie“. Sie verfassten Lehrbücher.

Nur ein kleiner Kreis von Menschen war im Frühmittelalter gebildet. Die Bauern, Handwerker, Händler sowie auch viele Feudalherren blieben ohne Bildung. Deshalb waren die meisten Menschen abergläubisch. Sie glaubten an Wunder. Das nutzte die Kirche aus. Die Priester schrieben den „Reliquien“, die sie in Kirchen aufbewahrten, besondere Kräfte zu. Den Menschen wurde eingeredet, dass sie durch diese „Reliquien!“ geschützt würden. Zum „Dank“ machten viele Bauern, Handwerker, Händler und auch weltliche Feudalherren der Kirche Geschenke.

Baukunst und Literatur

Auch die Baukunst des 6. Bis 11. Jahrhunderts wurde von der Kirche geprägt. ES wurden Kirchen, Burgen und Kaiserpfalzen in zunehmenden Maße aus Stein errichtet. Vorherrschend war der romanische Stil:

Er war vor allem durch Rundbogen an Fenstern und Portalen sowie durch zahlreiche Türme gekennzeichnet. Eines der bedeutendsten frühromanischen Bauwerke in Deutschland ist die Stiftskirche in Gernrode (Harz). Sie wurde zwischen 961 und 980 erbaut. Der Bau dauerte fast zwanzig Jahre. Große, roh behauene Steinquadern fügen sich zu den hohen Außenmauern zusammen. Ursprünglich waren es ungleiche Bruchsteine gewesen, erst bei der Restaurierung im 19. Jahrhundert wurden sie durch Steinquadern ersetzt. Einfache Fenster im romanischen Stil (Rundbogenfenster) lassen nur wenig Licht in die Innenräume. Das Äußere der Kirche ist schmucklos, und die beiden Türen an den Flanken des Nordportals geben dem ganzen Bau einen wehrhaften Charakter.

All diese gewaltigen Bauten bezeugen die hohen künstlerischen Fähigkeiten der Handwerker dieser Zeit.

 

Innenansicht der Stiftskirche Gernrode
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982
Stiftskirche Gernrode
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Im frühen Mittelalter sprachen die Gelehrten lateinisch. Eine einheitliche deutsche Sprache war noch nicht vorhanden. Es gab verschiedenen Mundarten

Die „Merseburger Zaubersprüche“ sind das älteste uns erhaltene Sprachdenkmal. Es stammt aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Der erste dieser „Zaubersprüche“, die im 9. Jahrhundert aufgezeichnet und rund 1 000 Jahre später in der Merseburger Dombibliothek entdeckt wurden, sollte die Befreiung von Gefangenen bewirken, der zweite sollte die Beinverrenkung eines Pferdes heilen.

 

Merseburger Zaubersprüche (Original)
Merseburger Zaubersprüche (Klartext)
Bilder entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Im 6. Bis 8. Jahrhundert entstanden Heldenlieder, die noch nicht vom Christentum beeinflusst waren. Sie waren in der Volkssprache verfasst und wurden von Hofdichtern an den Sitzen von Königen und Feudalherren vorgetragen. Auf diese Weise wurden sie über Generationen hinweg mündlich überliefert (z.B. das Hildebrandislied). Im 8. Und 9. Jahrhundert benutzten auch Geistliche die Volkssprache. Sie hatten eingesehen, dass es mit der lateinischen Sprache allein schwer war, den Volksmassen den christlichen Glauben zu erläutern

Ein Beispiel dafür war der „Heliand“ (9. Jahrhundert). In diesem Werk tritt Christus in der Rolle eines Herzogs auf. Seine Jünger sind als seine Gefolgschaft dargestellt. Der „Heliand“ war dazu bestimmt, den Volksmassen in Sachsen den christlichen Glauben näherzubringen.

Als sich gegen Ende des 9. Jahrhunderts das Christentum zwischen Rhein und Elbe/Saale endgültig durchgesetzt hatte, versiegte die volkssprachige Dichtung im Dienste des Christentums. Die „deutsche Sprache“ (Volkssprache) entwickelte sich jedoch auch im 10. Und 11. Jahrhundert im mündlichen Verkehr weiter. Beim Volke waren damals Spielleute sehr beliebt, die Märchen, Abenteuer- und Spottgeschichten in gereimten Versen vortrugen und die alten Heldenlieder lebendig erhielten. Zur Weiterentwicklung der Volkssprache aber trugen vor allem die deutschen Übersetzungen biblischer Texte, antiker Philosophen und römischer Dichter bei, die in den großen Klosterschulen angefertigt wurden.

 

Pfalzkapelle des Aachener Münsters
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Zentren der mittelalterlichen Kultur waren vor allem die Klöster. Von der feudalen Ausbeutung der Bauern und von Schenkungen der Feudalherren lebend, konnten gebildete Mönche und Nonnen kulturelle Leistungen vollbringen. In den Klosterschulen lernte ein kleiner Teil der Feudalherren das Lesen und Schreiben. Handwerker und Bauleute schufen bedeutende Bauwerke im romanischen Stil.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Aufgaben:

  1. In welchem Zeitraum vollzog sich in West- und Mitteleuropa der allmähliche Übergang zum Feudalismus?
  2. Wie entstanden die Klasse der Feudalherren und die Klasse der Feudalbauern? Durch welche Merkmale sind sie gekennzeichnet? Vergleiche mit Sklavenhaltern und Sklaven!
  3. Welche Bedeutung hatten die Grundherrschaft, der Fronhof und die Dreifelderwirtschaft für die Wirtschaft im Feudalismus?
  4. Durch welche Maßnahmen konnten Heinrich I. und Otto I. einen starken deutschen Feudalstaat schaffen? Zeige seine Entwicklung! Werte die Feldzüge gegen die Slawen!
  5. Welche Formen des Kampfes nutzten die Feudalbauern, um sich der Ausbeutung und Unterdrückung zu widersetzen?
  6. Warum wirkten weltliche und geistliche Feudalherren bei der Feudalisierung der Bauern und bei der Unterdrückung der Slawen zusammen?
  7. Inwiefern war der Feudalismus als Gesellschaftsordnung im Vergleich zur Sklavenhaltergesellschaft ein Fortschritt?

Noch zwei Aufgaben

  1. Warum war die frühmittelalterliche Kultur im Wesentlichen von der Kirche bestimmt?
  2. Wie beurteilst Du die Leistungen der gebildeten Mönche und Nonnen, der Maler, Baumeister und Volksdichter dieser Zeit?

 

Aufgaben aus dem Geschichtsbuch der DDR (Stand 1982) für die 6. Klasse entnommen.

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR